Ist die Krätze wieder im Kommen?

Eigentlich gilt die Krätze, medizinisch Skabies genannt, in Mitteleuropa als seltene Parasitose. Zumindest war das bis vor wenigen Jahren so. Mittlerweile scheint die Milbe allerdings wieder auf dem Vormarsch zu sein.

Medikamente gegen Skabies sind gefragt

Jedenfalls mehren sich die Fälle, und es werden definitiv mehr Krätze-Medikamente vom Arzt verschrieben. Die Barmer-Krankenkasse teilte kürzlich mit, dass die Verordnungszahlen für Permethrin, Ivermectin und Benzylbenzoat bei ihren Versicherten im Jahr 2017 um durchschnittlich 60% gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind: von 38.127 auf 61.255.

Die größte Zunahme gab es in Schleswig-Holstein mit 127%, gefolgt von Bremen (98%) und Rheinland-Pfalz (89%). Die meisten Verordnungen (26.758) sind in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, registriert worden.

Kein Zusammenhang mit Flüchtlingszustrom

Ob und in welchem Ausmaß Skabies jetzt in der Gesamtbevölkerung tatsächlich häufiger vorkommt, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Verlässliche Daten zur Krankheitsentwicklung fehlen bislang. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit 300 Millionen Menschen an der Krätze leiden. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern.

Deshalb ist auch anzunehmen, dass die Krankheit unter Flüchtlingen bei ihrer Ankunft in Deutschland häufiger vorkommt. Experten sehen darin aber wegen der meist nicht so engen Kontaktverhältnisse zur einheimischen Bevölkerung keine ausreichende Erklärung für steigende Skabieszahlen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Referenzen:

  • Krätze auf dem Vormarsch: 60 Prozent mehr Verordnungen bei Krätze-Medikamenten. Pressemitteilung der BARMER vom 18.03.2018 (www.barmer.de; Zugriff am 30.04.2018).
  • Wenn eine Krankheit zum Alptraum wird. dpa-Mitteilung vom 14.05.2018.
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