Was ist ein Schiefhals und wie wird er festgestellt?

Beim Schiefhals (Tortikollis) handelt es sich um eine Symptombeschreibung, nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild. Viele verschiedene Gründe können den schiefen Hals in unterschiedlichen Lebensaltern bedingen.

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Bei Neugeborenen ist der gar nicht so seltene angeborene Schiefhals die häufigste Ursache. Er tritt meistens in den ersten 6-8 Lebenswochen auf und wird auf eine einseitige Verkürzung (Kontraktur) des seitlichen Halsmuskels zurückgeführt. In der Fachsprache heißt das Torticollis muscularis congenitus. Dabei ist der Kopf zur betroffenen (oft rechten) Seite hin gekippt, während das Baby ihn bevorzugt auf die gesunde Seite dreht. Auffällig oft besteht auch eine Fehlstellung der Hüfte.

Zu enger Geburtskanal kann Ursache sein

Die Ursache ist letztlich unbekannt, ungünstige äußere Faktoren wie Enge und Schieflage in der Gebärmutter sowie Verletzungen des Muskels bei langer bzw. schwerer Geburt (auch bei Kaiserschnitt) werden vermutet. Ein weiteres Erklärungsmodell sieht Funktionsstörungen der Kopfgelenke (KISS-Syndrom) als häufigste Ursache des Schiefhalses.

Durch die Fehlhaltung kann es, wenn er nicht korrigiert wird, zu dauerhaften Schäden an der Halswirbelsäule und an den Gesichtsknochen kommen, bis hin zum Gelenkverschleiß (Arthrose) an den Wirbelgelenken und Gesichtsasymmetrien.

Sehr viel seltener sind solche knöchernen Fehlbildungen die Ursache für den Schiefhals.

Wie wird ein angeborener Schiefhals diagnostiziert?

Die diagnostische Abklärung eines angeborenen Schiefhalses fußt auf folgenden Maßnahmen:

  • ärztliche Untersuchung: typische (Fehl-) Stellung des Kopfes mit eingeschränkter Beweglichkeit der Halswirbelsäule, meist keine vollständige passive Korrektur möglich, ggf. KISS-Syndrom;
  • Diagnosegespräch mit den Eltern;
  • in ca. 15% der Fälle einseitige Schwellung im unteren Teil des seitlichen Halsmuskels ab ca. 2. Lebenswoche;
  • tastbare Verhärtung und messbare Verkürzung des betreffenden Muskels
  • Röntgen: Ausschluss anderer (erworbener) Schiefhalsursachen
  • Berücksichtigung der Ergebnisse der Hörtesests

Wie kommt es bei älteren Kindern zu einem Schiefhals?

Neben dem angeborenen, muskulären Schiefhals kann dieser Zustand auch später erworben werben, am häufigsten durch Muskelverspannungen. Dann kann das Kind beispielsweise nach dem Erwachen morgens den Hals plötzlich nur noch unter Schmerzen bewegen.

Sehr seltene Gründe sind rheumatische Erkrankungen unter Einbeziehung der Halswirbelsäule, Entzündungsprozesse im Bereich von Rachen, Ohr oder Hals. Auch eine Augenmuskellähmung kann die Ursache sein, weil die das Kind zur Kopfschiefhaltung veranlasst, um Doppelbilder zu vermeiden.

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