Probiotika: Mit Bakterien gegen den Reizdarm bei Kindern

Bei Darminfektionen mit dem Rotavirus und auch beim sogenannten Reizdarm-Syndrom kann die Behandlung auch in der Gabe von Bakterien bestehen. Die Rede ist von Probiotika. Das sind Medikamente, die aus harmlosen Bakterienstämmen zusammengesetzt sind und die Darmsymptome häufig sehr effektiv lindern.

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Wie die Bakterien exakt wirken, ist noch ungeklärt

Die Idee, im Darm mit Hilfe von Bakterien für Ordnung zu sorgen, ist alles andere als neu. Erste Versuche sind schon vom Anfang des letzten Jahrhunderts bekannt. Allerdings hat sich die Ausgangsthese, warum das funktionieren soll, mittlerweile als falsch erwiesen, wie Prof. Paul Enck von der Universitätsklinik Tübingen berichtet. Man hatte nämlich lange Zeit geglaubt, die therapeutisch verabreichten Bakterien würden die krankmachenden verdrängen. Aber das ist überholt.

Wobei freilich auch noch nicht geklärt ist, wie der Wirkmechanismus denn nun aussieht. Nach derzeitiger Lehrmeinung ist es am ehesten so, dass die Probiotika das Immunsystem im Darm aktivieren und ihn damit stärker gegen andere Widersacher machen.

Auch bei Kindern gute Ergebnisse

Probiotika sind laut Enck in folgenden Fällen eine gute Alternative:

  • Durchfall nach Antibiotikabehandlung
  • Reise-Durchfall
  • Darminfektionen mit Rotaviren
  • typische Krankenhaus-Darminfektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile
  • Reizdarm-Syndrom

Insbesondere bei Kindern mit Reizdarm-Syndrom scheinen die Bakterien-Cocktails gut zu funktionieren. In einer Studie an mehr als 200 Kindern mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden (was so viel heißt wie: es rumort im Darm, aber so richtig findet sich keine Ursache) haben sich die probiotischen Präparate als gut wirksam und verträglich erwiesen, so Enck.   

Autoren: WANC/, 22.03.2011
Quelle: DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (8): S. 371–375

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