Was ist der häufigste „Enzymdefekt“ der Welt?

Der Laktasemangel. Er ist verantwortlich für die Unverträglichkeit des Milchzuckers, der nicht mehr im Dünndarm aufgespalten und verdaut werden kann.

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In seiner inkompletten Form, bei der es irgendwann nach dem Abstillen zur Abnahme der Enzymaktivität kommt, betrifft das Phänomen Dreiviertel der Weltbevölkerung, wie auch die meisten anderen Säugetiere. Die Verteilungshäufigkeit zeigt ein charakteristisches Nord-Süd-Gefälle: in Skandinavien 3-8%, Deutschland etwa 13-14%, Österreich ca. 20%, im Mittelmeerraum rund 70% und in Afrika nahe der Äquatorzone etwa 98%. Durch die wachsende Zahl von Zuwanderern aus dem Mittelmeerraum wird die Bevölkerung auch bei uns immer laktoseintoleranter.

Dabei hat sich die Milchzuckerverträglichkeit dank lebenslanger Enzymproduktion bei uns vermutlich nicht von ungefähr entwickelt. Wissenschaftler nehmen an, dass die Verbreitung der dafür verantwortlichen Erbgutveränderung – und damit die Verteilung der Laktose(in)toleranz – mit der Sonneneinstrahlung zusammenhängt. Denn die Laktose verbessert die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung, eine Aufgabe, die sonst dem Vitamin D zukommt. Der menschliche Organismus benötigt allerdings UV-Strahlung zur Vitaminproduktion und die ist von der Sonnenscheindauer und -intensität abhängig. Für die hellhäutigen Nordeuropäer und –amerikaner (und auch für andere Populationen) erwies sich deshalb mit Entwicklung der Milchwirtschaft die Mutation am Laktose-Gen für vorteilhaft.

Bei etwa 75% der Laktoseintoleranten tritt übrigens auch eine Fruktoseintoleranz (Fructose = Fruchtzucker) auf.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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