Was sind funktionelle Bauchschmerzen?

Eine Verlegenheitsdiagnose. Wenn für chonische Bauchschmerzen keine Ursache gefunden wird, werden sie von Ärzten als funktionell bezeichnet. Das ist ein etwas merkwürdiger Begriff, soll aber wohl zum Ausdruck bringen, dass der Magen-Darm-Trakt während seiner Arbeit auf ungeklärte Weise verkrampft oder bläht oder was auch immer und dabei Schmerzen verursacht.

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Die offizielle Definiton funktioneller Bauchschmerzen umfasst folgende Kriterien:

  • länger als zwei Monate bestehend
  • häufiger als einmal pro Woche auftretend
  • nicht durch eindeutige Erkrankungen erklärbar

Da Kinder bis zur Entwicklung einer differenzierten Schmerzwahrnehmung meistens auf den Bauchnabel oder in dessen Nähe zeigen, wenn sie über (nicht nur bauchbedingte) Missempfindungen klagen, hat sich im medizinischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung „funktionelle periumbilikale Bauchschmerzen“ eingebürgert, wenn es an Entstehungshinweisen mangelt.

Inzwischen wurden allerdings verschiedene mögliche Mechanismen aufgedeckt, die das Auftreten von funktionellen Beschwerden erklären helfen und deren Kenntnis für den ärztlichen Umgang mit den betroffenen Kindern bedeutsam ist.

Welche Arten von funktionellen Bauchschmerzen gibt es bei Kindern?

Unterschieden werden unter anderem:

  • funktionelle Oberbauchbeschwerden (Dyspepsie), also eher um den Magen herum lokalisierte Beschwerden
  • Reizdarm-Syndrom (entsprechend eher im Darm lokalisiert)
  • abdominale Migräne (ein etwas diffuses Krankheitsbild, bei dem anfallsweise Bauchschmerzen in Kombination mit weiteren Beschwerden wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit auftreten)

Können funktionelle Bauchschmerzen mit einer Blinddarmentzündung verwechselt werden?

Ja, die Unterscheidung zwischen einer akuten Phase chronisch-funktioneller Bauchschmerzen und einer bedrohlichen Erkrankung wie der Blinddarmentzündung kann mitunter auch für den Arzt schwierig sein. Das genau ist der Grund, warum auch Bauchschmerzen ohne erkennbare Ursache immer ernst genommen werden müssen. Erstens tun sie tatsächlich weh, zweitens kann eben doch auch einmal eine ernste Erkrankung dahinterstecken.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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