Antibiotika-Verordnungen bei Kindern: Nicht immer sinnvoll

Kinder bekommen häufig Antibiotika verordnet. Insgesamt öfter als Erwachsene. Sie bekommen sie aber nicht selten zu den falschen Anlässen, sagt ein aktueller Bericht

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Unsinnig bei viralen Infekten

Dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, ist sicher eine Binse. Aber beim Einsatz von Medikamenten ist das sehr oft das Grundproblem. Denn spezielle Studien über den Einsatz von Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen sind selten. Deshalb verordnen Ärzte in diesen Fällen fast immer in einer Grauzone zwischen Erfahrung und  Nichtwissen. Auch das ist ein Grund, der gegen den unkritischen Einsatz von Antibiotika spricht, um unerwünschte Effekte zu vermeiden, die teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen können.

Die Studie "Faktencheck Gesundheit" stellt fest, dass Antibiotika häufig bei akuter Mittelohrentzündung, fiebriger Erkältung und Grippe eingesetzt werden. Oft ohne Sinn. Denn gerade bei grippalen Infekten sind meist Viren die Auslöser. Antibiotika aber wirken nur gegen bakterielle Keime.

Vor allem in Deutschlands Nordosten Antibiotika hoch im Kurs

Das Problem der falschen und zu häufigen Verordnung von Antibiotika liegt aber auch in den entstehenden Resistenzen. Das heißt: Werden Antibiotika bei schwerwiegenden Infektionen wirklich dringend benötigt, helfen sie nicht mehr.

Bekommen Kinder also zu viele Antibiotika verschrieben? Um eine eindeutige Antwort mogelt sich der Bericht herum. Er stellt allerdings verschiedene Dinge fest, die einem zu denken geben können. Beispielsweise, dass Kinder – vor allem in der Altersgruppe 0-6 Jahre – häufiger Antibiotika verschrieben bekommen als Erwachsene.

Außerdem bestehen durchaus regionale Unterschiede in der Verschreibungshäufigkeit. Im Nordosten von Deutschland erhalten Kinder fast doppelt so oft Antibiotika wie Kinder im Süden. Antibiotika werden aber auch abhängig von der Fachgruppe des behandelnden Arztes  verschrieben. Großen Einfluss hat auch die Fortbildungssituation des Arztes, was wieder von der regionalen Situation abhängig ist.

Im internationalen Vergleich eher zurückhaltend

Wichtig ist die Wahl des Wirkstoffes, betont der Bericht. Hier gelte es auf die Leitlinien zu achten, die Ärzten eine Richtschnur vorgeben, welches Medikament bei welchem Anlass gegeben werden sollten. Dazu gehört auch, ob der Arzt eine "Abwartezeit" eingehalten hat.

Würde häufiger leitliniengerecht veordnet, lasse sich der Antibiotikaverbrauch bei Kindern senken, unterstellt die Untersuchung. Sagt aber auch: Im internationalen Vergleich sind wir in Deutschland immer noch zurückhaltend.

WANC 16.02.2012
Quelle: Faktencheck Gesundheit, Bertelsmann Stiftung

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