Herz- und Atemfrequenz bei Kindern: Falsche Richtwerte?

Kinderärzte ziehen häufig die Herz- und Atemfrequenz zu Rate, um den Gesundheitszustand oder die Schwere einer Erkrankung abschätzen zu können. Atmet das Kind sehr unruhig oder schlägt das Herz sehr schnell, gilt dies zum Beispiel bei Infektionen als Hinweis auf eine schwerere Erkrankung. Als Maßstab dienen dabei offiziell vorgegebene Referenzwerte.

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Allerdings sind diese Referenzwerte möglicherweise falsch. Zu diesem Schluss kommt jetzt zumindest eine britische Studie der Universität Oxford, die im renommierten Fachblatt Lancet publiziert wurde. Die Wissenschaftler haben Daten aus 69 älteren Studien zusammengefasst, die sich mit dieser Thematik befasst hatten. 143.000 Kinder wurden auf diese Weise analysiert. Das Ergebnis: Die Referenzwerte sind zum Teil viel zu niedrig. Das heißt, es wird viel zu früh von einem "schweren Verlauf" ausgegangen - und damit möglicherweise auch zu früh intensiv behandelt.

Kritiker geben jedoch zu bedenken, dass die Studie nicht alle wichtigen Faktoren erfasst hat. Zum Beispiel wurde nicht nach dem Geschlecht unterschieden und begleitende Faktoren, die z.B. die Herzfrequenz erhöhen können, wurden nicht genügend berücksichtigt.

WANC 21.03.2011
Quelle: Lancet 2011; 377: 10.1016/S0140-6736(10)62226-X

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