Den Blutzucker gut im Griff

Diabetes Für Diabetiker ist die Selbstkontrolle des Blutzuckers extrem wichtig, um Folgekrankheiten und Entgleisungen des Stoffwechsels zu vermeiden. Doch um korrekte Werte zu bekommen, sind ein paar Dinge zu beachten.

Fast sieben Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes erkrankt, täglich kommen rund 750 weitere hinzu. Die Volkskrankheit ist tückisch: Diabetes sieht man nicht und er tut nicht weh. „Deshalb wird Typ-2-Diabetes im Durchschnitt zehn Jahre zu spät entdeckt“, sagt Professor Baptist Gallwitz, Präsidenten der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Dabei lässt sich die Stoffwechselerkrankung einfach feststellen: Schon über einen kleinen Pieks in den Finger kann man den Glukosegehalt eines Bluttropfens mit einem Messgerät bestimmen. Viele Apotheken bieten das an. Liegt der so ermittelte Blutzuckerwert nüchtern über 110 mg/dl beziehungsweise 6,1 mmol/l oder ist er wiederholt zu beliebiger Tageszeit stark erhöht (mehr als 200 mg/dl oder 11,1 mmol/l), sollte man zum Arzt gehen, um die Zuckerwerte sicher abzuklären.

Zudem steht jedem Versicherten in Deutschland alle zwei Jahre der sogenannte „Check-up 35“ zu, dessen Schwerpunkt die Früherkennung von Diabetes, Herz-/ Kreislauf- und Nierenerkrankungen ist.

Management nötig

Diabetes erfordert auch die Mitarbeit des Betroffenen. Er sollte seine Erkrankung zusammen mit einem Diabetologen managen: „Ziel ist eine Normalisierung der Blutzuckerwerte“, sagt Gallwitz. „Je nach Stadium der Krankheit reichen die Maßnahmen von Diät und Bewegung über Medikamente bis hin zu Insulin-Injektionen.“ Ob die gewählte Therapie ausreichend wirkt, lässt sich am besten durch Blutzuckerkontrollen feststellen. Deshalb müssen Diabetiker ihren Blutzucker regelmäßig selbst messen – wobei „regelmäßig“ von ein- bis zweimal die Woche bis mehrere Male täglich reichen kann.

Mehrmals täglich den Blutzucker messen sollten neu diagnostizierte Patienten: So können sie ihren Diabetes besser kennenlernen – sehen, wie er auf Veränderungen der Lebensführung wie mehr Bewegung oder gesundes Essen reagiert. Jeder Diabetiker sollte an einer Schulung teilnehmen, in der er lernt, durch richtige Maßnahmen schnell auf Blutzucker-Schwankungen zu reagieren.

Mehrmals täglich messen

Mehrmals täglich messen müssen auch Insulin-pflichtige Diabetiker: Weil ihr Körper nur noch in sehr geringem Maße oder gar nicht mehr in der Lage ist, den Zuckergehalt im Blut zu regulieren, sind sie besonders anfällig für Stoffwechselentgleisungen durch extrem hohe (Überzuckerung/Hyperglykämie) oder niedrige Werte (Unterzuckerung/Hypoglykämie). Blutzuckermessen ist für sie lebenswichtig – kann ein Mangel an Glukose doch sehr schnell zu Ausfällen führen, die schlimmstenfalls im Koma bis hin zum Tod enden. Ist die Konzentration von Glukose hingegen dauerhaft zu hoch, drohen zahlreiche Folgeerkrankungen. „Durch eine gute Blutzuckereinstellung lassen sich verheerende Diabetes-Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblinden oder Nierenversagen aufhalten. Regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen federn diese -Risiken zusätzlich ab“, ermutigt Gallwitz.

Autorin: Anja Speitel

Patienten Journal Reise & Gesundheit 2/2016

Tipps für die Blutzuckermessung: Häufige Fehler vermeiden

Nach einer Studie des Apothekenverbandes ABDA machen mehr als 80 Prozent der Diabetiker, die ihren Blutzucker selbst messen, dabei Fehler. Denn eine ganze Menge möglicher Quellen kann zu falschen Messergebnissen führen.

  • Rückstände an den Fingern:
    Vor der Blutentnahme die Hände gründlich waschen und trocknen, auf Desinfektionsmittel aber verzichten. Wartet man nicht, bis das Mittel komplett auf der Haut abgetrocknet ist, kann der Blutstropfen verflüssigt werden – falsch-niedrige Messwerte sind dann möglich. Zu falsch-hohen Messergebnissen führen besonders zuckerhaltige Speisereste an den Fingern.
  • Fingerkuppe gequetscht:
    Massiert man die Fingerkuppe nicht sanft, sondern quetscht regelrecht an ihr, um mehr Blut zu erhalten, drückt man leicht Gewebeflüssigkeit in das Blut, so dass der Messwert falsch-niedrig ausfallen kann.
  • Falsche Blutmenge:
    Zu viel oder zu wenig Blut auf dem Streifen  kann zu einem ungenauen Mess-Ergebnis führen. Je nach Teststreifen und Messgerät sind zwischen 0,3 bis 2 Mikroliter Blut nötig. Diese Blutmenge soll der Streifen mit seiner Spitze einsaugen. Deshalb den Teststreifen nicht direkt in die Haut drücken oder Blut von oben darauf tropfen.
  • Falsche Lagerung:
    Die Teststreifen immer in der Originalpackung aufbewahren und Lager-Hinweise und Haltbarkeit beachten. Verpackung nach Entnahme eines Teststreifens immer gleich wieder verschließen. Denn es birgt Fehlerquellen, wenn die Teststreifen feucht oder verschmutzt sind. Zu Boden gefallene Streifen daher nicht mehr verwenden.
  • Extreme Umgebung:
    Je nach Gerät darf die Temperatur oft nicht unter 10 bis 18 Grad Celsius fallen oder 30 bis 40 Grad Celsius übersteigen, um noch korrekte Mess-Ergebnisse zu erhalten. Auch ein niedriger Luftdruck, beispielsweise auf Bergen über 2.500 Metern, kann das Mess-Ergebnis verfälschen.
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