Überzuckert

Dank guter medizinischer Versorgung und konsequenter Blutzucker-Selbstkontrolle leiden Diabetiker heute seltener an den gefürchteten Folgekrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Grund zur Entwarnung sehen Experten dennoch nicht.

Zuerst die gute Nachricht: Die gefürchteten Folgeerkrankungen der Zuckerkrankheit und deren Spätfolgen sind deutlich auf dem Rückgang. Das zeigt eine Studie der US-Gesundheits-behörde Centers for Disease Control and Prevention. Demnach ist die Zahl der Herzinfarkte als Folge eines Diabetes in den letzten 20 Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Bei Schlaganfällen und Amputationen hat sich der Anteil mehr als halbiert.

Für Deutschland liegen zwar keine vergleichbaren Zahlen vor, Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie geht aber davon aus, dass sich auch hierzulande die Situation deutlich verbessert hat – zumal im Gegensatz zu den USA so gut wie alle  krankenversichert sind und damit Anspruch auf eine kostenlose medizinische Versorgung haben. „Wir haben heute nicht nur Medikamente, die Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck effektiv senken“, so der Hormon-Experte. Die Betroffenen würden auch regelmäßig auf Risiken hin untersucht werden. Zudem können Diabetiker ihre Krankheit gut kontrollieren, wenn sie regelmäßig selbst ihre Blutzuckerwerte checken.

Zahl der Diabetes-Kranken wächst

Überzuckerungen - DiabetesDie Kehrseite: So erfreulich die Nachricht aus Übersee klingt,  Entwarnung geben die Ärzte in Deutschland dennoch nicht. Die Folgeerkrankungen des Diabetes haben zwar abgenommen, dafür ist die Zahl der Diabetes-Kranken in Deutschland wie in den USA im gleichen Zeitraum stark angestiegen – und relativiert damit den Vorteil. „Wir sehen immer mehr Menschen, die als Folge von Übergewicht und Bewegungsmangel an einem Typ-2-Diabetes erkranken“, stellt Schatz fest. Deshalb müsse man davon ausgehen, vermutet der Endokrinologe, dass der prozentuale Anteil der Folgeerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen zwar sinkt, die absolute Zahl der Betroffenen aber weiter ansteigen wird.

Neben der konsequenten medizinischen Betreuung von Diabetikern setzt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie deshalb auf Maßnahmen, die der Erkrankung vorbeugen, sprich gesunde Ernährung, mehr Bewegung und Sport sowie kein Nikotin.

Solche Appelle hält Schatz zwar für wichtig, reichen ihm aber nicht aus. „Es gibt eine Reihe einfacher und effektiver Maßnahmen, die immer wieder am fehlenden Willen der Politik scheitern“, kritisiert der Experte. So hält er beispielsweise die obligatorischen Nährwertkästen auf den Verpackungen von Lebensmitteln „pro 100 Gramm“ für nicht besonders verbraucherfreundlich. Sinnvoller wäre seiner Meinung nach eine Ampelkennzeichnung: „grün“ für „empfehlenswert“ bis „rot“ für „ungünstig“.  Auch höhere Steuern für zuckerhaltige Getränke seien ein probates Mittel, damit weniger Menschen zu diesen Produkten greifen. „So wichtig die Erfolge bei der Behandlung auch sind – sie sind kein Ersatz für die Prävention“, so sein Fazit.

Autoren: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit, Ausgabe 4/2014

Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

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