Wie wichtig ist Vitamin B12 bei Diabetes?

Vitamin B12 gehört wie alle Vitamine zu den Nährstoffen, die wir von außen zuführen müssen, um unseren Bedarf zu decken. Gut aufgefüllt reichen die Speicher in der Regel eine ganze Weile, um den Körper ausreichend zu versorgen. Bei Diabetikern kann es allerdings auch mal knapp werden.

Was Metformin mit Vitamin B12 zu tun hat

Und zwar dann, wenn jemand über längere Zeit mit Metformin behandelt wird. Dieses Medikament ist in der Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 in der Regel die erste Wahl, wenn eine Basistherapie mit entsprechender Schulung, Ernährungsumstellung und Steigerung der körperlichen Aktivität alleine nicht ausreicht, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Ist der Langzeitwert HbA1c nach 3 bis 6 Monaten noch immer zu hoch, ist es Zeit für eine Therapie mit Metformin.

Der Wirkstoff sorgt dafür, dass in der Leber weniger Glukose gebildet und der Zuckergehalt des Bluts dadurch gesenkt wird. Möglicherweise regt er auch die Muskelzellen dazu an, mehr Glukose aufzunehmen, was aber nicht erwiesen ist. Feststeht jedoch, dass Metformin neben all den begrüßenswerten Effekten auch ein paar Haken hat. Und hier kommt jetzt Vitamin B12 ins Spiel.

Metformin verändert nämlich die Schleimhautzellen des Darms, so dass sie weniger Vitamin B12 aufnehmen können. Die Folge ist eine Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nahrungsbestandteilen), die letztlich in eine unzureichende Nährstoffversorgung mündet.

Blut und Nervensystem brauchen Vitamin B12

Bei Vitamin B12 dauert das eine ganze Weile. Die Speicher in der Leber sind sehr ergiebig und reichen in der Regel für mehrere Jahre. Irgendwann sind jedoch auch sie erschöpft. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass unter Metformin die Vitamin-B12-Konzentration im Blut zunehmend sinkt. Und dann?

Ab einem gewissen Grenzwert können Mangelerscheinungen auftreten. Zu wenig Vitamin B12 führt langfristig zu folgenden Problemen:

  • Blutbildveränderungen: Anämie
  • neurologisch-psychiatrische Beschwerden wie Denkstörungen, Depressionen, Demenz

Oft kommt ein Vitamin-B12-Mangel zunächst recht unscheinbar daher. Erste Anzeichen können Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen sein. Im Verlauf können Taubheitsgefühle an Armen und Beinen, Verwirrtheit und Koordinationsstörungen hinzukommen. Außerdem steigt die Anfälligkeit für Infekte.

Screening und vorbeugende Maßnahmen

Gefährdet sind vor allem Menschen, die bereits seit längerer Zeit Metformin in höheren Dosen einnehmen. Wer länger als ein Jahr mehr als 1000 mg täglich zu einnimmt, sollte daher auf einen möglichen Mangel gescreent werden, so die Empfehlung in einer Fachzeitschrift.

Das gilt vor allem dann, wenn weitere Risikofaktoren bestehen. Neben dem Alter und bestimmten Krankheiten wie entzündliche Darm- oder Magenerkrankungen spielt hier vor allem die Ernährung eine Rolle. Quellen für Vitamin B12 sind tierische Produkte. Vegetarier und vor allem Veganer sind daher besonders gefährdet.

Aber auch sie können etwas gegen drohende Mangelerscheinungen tun. Denn indirekt schützt auch Kalzium vor erniedrigten Vitamin-B12-Spiegeln, da es die entsprechenden Effekte von Metformin entschärft. Kalzium findet sich in Milch und Milchprodukten. Veganer können sich an Grünkohl, Porree, Brokkoli oder Spinat halten, um ihren Bedarf an Kalzium zu decken. Auch kalziumreiches Mineralwasser eignet sich.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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