Welche Medikamente werden beim Diabetes Typ 2 eingesetzt?

Zunächst einmal: Medikamente müssen beim Typ-2-Diabetes nicht unbedingt eingenommen werden. Wenn es doch nötig wird, steht eine ganze Reihe verschiedener Substanzen zur Auswahl.

Manchmal geht es sogar ohne

Bevor der Arzt Ihnen Tabletten verschreibt, wird er versuchen, Sie zu motivieren, Ihren Blutzucker anderweitig unter Kontrolle zu bringen. Oft gelingt das nämlich schon, wenn Sie ein paar Dinge in Ihrem Alltag ändern. Wie Sie vielleicht schon ahnen, betrifft das Ihre Ernährung und die Fitness.

Aber die sogenannte Basistherapie, die am Anfang jeder Diabetesbehandlung steht, umfasst noch mehr. Ausführliche Schulungen helfen Ihnen, die Erkrankung und ihre Tragweite zu verstehen und damit umzugehen. Sie erhalten viele praktische Tipps für den Alltag und werden ggf. dabei unterstützt, mit dem Rauchen aufzuhören.

...aber leider nicht immer

Aber nicht immer reichen diese Maßnahmen alleine aus. Diabetes hat viel mit dem Essverhalten und dem Lebensstil zu tun, aber eben nicht nur. Gerade beim Typ-2-Diabetes spielt auch die genetische Veranlagung eine große Rolle.

So ist die Erkrankung zwar durch eine Änderung der Essgewohnheiten und durch mehr Bewegung grundsätzlich immer positiv zu beeinflussen; manchmal reicht das allein aber nicht aus, um den Blutzucker ausreichend zu senken. Dann ist es Zeit für Medikamente. Denn ein hoher Blutzuckerspiegel schadet auf Dauer den Gefäßen und sämtlichen Organen.

Das Ziel: den Blutzuckerspiegel drosseln

Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die jeweils an unterschiedlichen Stellen des Zuckerstoffwechsels eingreifen. Ziel ist es letztlich immer, dafür zu sorgen, dass weniger Glukose (Fruchtzucker) im Blut zirkuliert.

Dafür zuständig ist vor allem das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, das beim Diabetes mellitus Typ 2 allerdings weniger gut wirken kann, weil es mit dem Ansturm an Glukose überfordert ist. Daher versucht man, das Hormon medikamentös zu unterstützen. Ein anderer Weg besteht darin zu verhindern, dass noch mehr Zucker gebildet oder vom Körper aufgenommen wird.

So stehen insgesamt folgende Mechanismen zur Verfügung:

  • Steigerung der Ausschüttung von Insulin: Sulfonlharnstoffe, Glinide, DPP-4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptoragonisten
  • Sensibilisierung der Zielzellen für Insulin: Glitazone
  • Hemmung der Neubildung von Glukose: Biguanide
  • Hemmung der Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm: Glukosidasehemmer
  • Hemmung der Aufnahme von Glukose in der Niere: SGLT2-Inhibitoren

Latte an Medikamenten

Viele der einzelnen Medikamente, die beim Diabetes mellitus Typ 2 zum Einsatz kommen, werden auch orale Antidiabetika genannt, also Mittel gegen den Diabetes zum Schlucken. Im Gegensatz zum Insulin liegen sie nämlich zum großen Teil in Form von Tabletten vor. Eine Ausnahme sind die sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten, die unter die Haut gespritzt werden müssen.

Im folgenden möchten wir Ihnen die Substanzen bzw. Wirkstoffgruppen kurz vorstellen:

  • Metformin aus der Gruppe der Biguanide ist in der Regel das Mittel der ersten Wahl. Es wird eingesetzt, wenn sich nach 3 bis 6 Monaten Basistherapie kein ausreichender Erfolg abzeichnet. Der Wirkstoff hemmt vor allem die Leber bei der Glukoseherstellung, hat aber vermutlich noch andere Effekte. Vor allem bei Menschen mit Übergewicht ist es förderlich, da es die Gewichtsreduktion unterstützt.
  • Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid, Glimepirid oder Gliclazid steigern die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, wo das Hormon in kleinen Bläschen gespeichert und bei Bedarf freigesetzt wird. Die Gefahr bei diesen Wirkstoffen liegt darin, dass sie zu viel des Guten bewirken, was zu schweren Unterzuckerungen führen kann. Außerdem führen sie zu einer Gewichtszunahme, was auch nicht gerade erwünscht ist. Da sie auch Herz- und Gefäßprobleme hervorrufen können, werden sie nicht mehr vorrangig zur Behandlung empfohlen, vor allem nicht bei älteren Menschen.
  • Repaglinid, ein Vertreter der Glinide, sorgt ebenfalls für eine gesteigerte Ausschüttung von Insulin. Es hat eine kurze Wirkdauer und fängt daher hauptsächlich den Blutzuckeranstieg direkt nach dem Essen ab. Da Glinide keinen nennenswerten Vorteil gegenüber anderen Antidiabetika haben, werden Sie nur in Ausnahmesituationen eingesetzt.
  • Hinter den komplizierten Begriffen DPP-4-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten verbergen sich Substanzen, die im Grunde das Gleiche bewirken wie Sulfonylharnstoffe und Glinide: mehr Insulin. Allerdings über einen etwas anderen Mechanismus. Die sogenannten Gliptine (Sitagliptin, Saxagliptin, Alogliptin) haben recht wenig Nebenwirkungen und können daher bei Unverträglichkeiten alternativ zu Metformin oder Sulfonylharnstoffen sinnvoll sein. Meist werden sie aber, wie der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid auch, in Kombination eingesetzt.
  • SGLT2-Inhibitoren (Gliflozine) sind eine recht neue Substanzeklasse in der Diabetestherapie. Sie bewirken dreierlei: Sie senken den Blutzucker und den Blutdruck und führen außerdem zu einem Gewichtsverlust. Allerdings sind sie auf eine funktionierende Niere angewiesen, um wirken zu können. Vorgesehen sind sie entweder in Kombination mit anderen Antidiabetika oder auch als alleinige Therapie. Auch wenn die Effekte der Gliflozine aktuell noch eifrig erforscht werden, scheint sich doch bereits abzuzeichnen, dass sie wirksam und gleichzeitig gut verträglich sind.
  • Glukosidasehemmer spielen heutzutage nur eine untergeordnete Rolle in der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Sie wirken recht schwach, führen aber oft zu unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden. Ergänzend zu anderen Medikamenten können sie aber im Einzelfall in der Frühphase der Erkrankung zum Einsatz kommen.
  • Auch die Glitazone werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt, da ihr Nebenwirkungspektrum breit, die Wirkung hingegen oft unzureichend ist. So wurden einige Substanzen bereits vom Markt genommen, andere werden sehr selten einmal verwendet, beispielsweise, wenn bisherige Antidiabetika nicht vertragen wurden.

Schwere Entscheidung

Welches Medikament bei dieser verwirrenden Vielfalt für Sie das richtige ist, entscheidet Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen. Neben Metformin, das meist als erstes ausprobiert wird, sind die anderen Substanzen im Grunde recht gleichwertig bzw. haben alle ihre Vor- und Nachteile, die im Einzelfall abgewogen werden müssen. Welches ausgewählt wird oder welche Kombination ggf. in Frage kommt, hängt auch von individuellen Faktoren und Begleiterkrankungen ab. Oft muss man einfach ausprobieren, was der Betroffene am besten verträgt.

Übrigens: Insulin kommt beim Typ-2-Diabetes in der Regel erst dann zum Zug, wenn die Tabletten allein inklusive Basismaßnahmen nicht ausreichen. Auch wenn der Stoffwechsel aus dem Ruder läuft, kann Insulin sinnvoll sein, oft aber nur vorübergehend.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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