Wie wird Diabetes mellitus Typ 2 behandelt?

Diabetes ist eine sehr komplexe Stoffwechselerkrankung. Entsprechend umfassend und vielfältig ist die Behandlung. Damit sie erfolgreich sein kann, ist vor allem eines entscheidend: die aktive Mitarbeit der Betroffenen.

Individuelle Therapieplanung

Bevor mit der Behandlung begonnen wird, ist es sinnvoll, im Vorfeld bestimmte Therapieziele festzulegen. So wie jeder Mensch anders ist, kann auch der Diabetes mellitus individuell völlig unterschiedlich in Erscheinung treten. Hinzu kommen Faktoren wie das Alter, die Lebenssituation und Begleiterkrankungen. All das spielt eine Rolle, wenn es darum geht, die für jeden einzelnen Diabetiker passende Therapie zu finden.

Weil es Ärzte gerne geordnet und übersichtlich mögen, gibt es einen Algorithmus, der sie durch die Behandlung des Typ-2-Diabetes navigiert. Das ist aber keine reine Spielerei; dahinter stecken vielmehr zahlreiche Untersuchungen und Daten, die dieses Vorgehen nach dem heutigen Wissensstand rechtfertigen. Wie also sieht das Therapieschema aus?

Nochmal die Schulbank drücken

Die Behandlung der Stoffwechselerkrankung beginnt nicht, wie Sie vielleicht denken, mit Medikamenten. Bevor Sie irgendwelche Tabletten schlucken, sind erst einmal Sie selbst gefragt, Ihren Blutzuckerspiegel mit anderen Mitteln in den Griff zu bekommen.

Am Anfang jeder Behandlung steht daher die sogenannte Basistherapie. Sie umfasst zum einen eine ausführliche Schulung. Wie schon erwähnt, ist Diabetes keine simple Erkrankung. Bis es dahin kommt, dass Ihr Blutzucker erhöht ist, spielen sich in Ihrem Körper zahlreiche Prozesse ab, die wiederum miteinander wechselwirken und sich gegenseitig bedingen. Es ist wichtig, dass Sie ein Verständnis von der Erkrankung haben und ungefähr wissen, was dabei passiert und welche Gefahren drohen.

Um Sie darüber zu informieren, gibt es strukturierte Schulungsprogramme, an denen Sie und ggf. auch Ihre Angehörigen teilnehmen sollten.

Manchmal geht es ganz ohne Medikamente

Weitere Pfeiler der Basistherapie sind eine Ernährungsberatung, Empfehlungen zu körperlicher Aktivität und Bewegung, Maßnahmen zur Raucherentwöhnung und Stressbewältigung sowie ggf. die Vermittlung von eigenständigen Blutzuckermessungen.

Wie Ihnen wahrscheinlich nicht unbekannt ist, hängt der Typ-2-Diabetes meist eng mit der Ernährung und der gesamten Lebensweise zusammen. Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, aber Veränderungen in diesen Bereichen sind tatsächlich enorm wirksam und reichen oft schon alleine aus, um den Zucker zu kontrollieren.

Es kann übrigens, ganz nebenbei, ein sehr gutes Gefühl sein, wenn man merkt, dass man die Behandlung aus eigener Kraft ganz ohne Tabletten meistert. Wenn Sie das, was Sie in der Schulung gelernt haben und was der Arzt Ihnen geraten hat, umsetzen, nach einigen Wochen zur Kontrolle in die Praxis kommen und Ihr Blutzucker dann wieder im Lot ist, haben Sie wahrlich viel erreicht.

Wenn Ernährung und Bewegung nicht ausreichen

Manchmal reicht der gute Wille allein aber nicht aus, um den Zucker ausreichend zu senken. Wenn er bei der Kontrolluntersuchung nach 3 bis 6 Monaten noch immer zu hoch ist, wird der Arzt Ihnen ein Medikament verschreiben – allerdings wohlgemerkt zusätzlich zu den genannten Basismaßnahmen. Sie bleiben stets die Grundlage der Behandlung, unabhängig von den Tabletten, die Sie daneben einnehmen.

Die weitere Behandlung erfolgt in mehreren Stufen. Zunächst wird Ihr Arzt es mit einem einzelnen Medikament versuchen. In der Regel bekommen Sie Metformin, ein Wirkstoff, der die Bildung von Glukose (Fruchtzucker) in der Leber hemmt und die Muskelzellen anregt, mehr davon aufzunehmen. Metformin ist gerade auch bei übergewichtigen Menschen sinnvoll, da es die Gewichtsreduktion unterstützt und die Blutfette, die oft ebenfalls aus dem Ruder geraten sind, positiv beeinflusst.

Sollten Sie Metformin nicht vertragen oder es aus irgendwelchen anderen Gründen für Sie nicht in Frage kommen, stehen zahlreiche alternative Medikamente zur Auswahl.

Stetige Intensivierung der Behandlung

Wenn Sie sich nach weiteren 3 bis 6 Monaten wieder bei Ihrem Arzt vorstellen und die Zuckerwerte trotz konsequenter Tabletteneinnahme und aller Basismaßnahmen, die Sie weiterhin sorgsam umsetzen, noch immer nicht im Zielbereich liegen, wird die Behandlung weiter intensiviert. Jetzt bekommen Sie zwei oder drei unterschiedliche Medikamente, in der Regel Metformin in Kombination mit einem anderen sogenannten oralen Antidiabetikum.

Reicht auch das nicht aus, steht an letzter Stelle der Behandlung das Hormon Insulin selbst. Es muss im Gegensatz zu allen Medikamenten, die Sie bis dahin bekommen haben, gespritzt werden und erfordert daher ganz besonders Ihre Mitarbeit und Sorgfalt.

Ob Sie die anderen Medikamente weiterhin zusätzlich einnehmen oder nur Insulin spritzen und nach welchem Schema sich die Behandlung richtet, entscheidet letztlich Ihr Arzt. Das hängt u.a. davon ab, wie Ihre Blutzuckerwerte im Tagesverlauf aussehen. Außerdem spielen persönliche Faktoren und Ihre eigenen Bedürfnisse eine Rolle.

Wichtig ist, dass Sie hinter der Behandlung stehen und sich darauf einlassen. Um Ihnen den Umgang mit den Spritzen zu erleichtern, helfen Schulungen, die eigens dafür konzipiert sind.

Nicht in Stein gemeißelt

So vielschichtig die Stoffwechselerkrankung Diabetes ist und so unterschiedlich Sie im Einzelnen verläuft, so wenig festgelegt ist auch die Therapie. Die verschiedenen Bausteine sind durchaus flexibel. So kann Insulin grundsätzlich auch schon früher unterstützend zum Einsatz kommen und oft nach einer Weile auch wieder abgesetzt werden. Sie müssen also, einmal damit angefangen, nicht unbedingt Ihr Leben lang spritzen.

An dieser Stelle kommen wir wieder zum Beginn und der Grundlage der Behandlung zurück: Ernährung, körperliche Aktivität und all die anderen oben genannten Bausteine der Basistherapie. Wenn Sie konsequent dranbleiben, können Sie die Erkrankung auf jeder Stufe der Behandlung positiv beeinflussen und dafür sorgen, dass Sie die Spritzen und Tabletten irgendwann vielleicht sogar nicht mehr brauchen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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