Wie wirkt Semaglutid (Ozempic) bei Diabetes?

Semaglutid (Handelsname Ozempic®) ist ein Medikament zur Behandlung des Typ-2-Diabetes aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. Es ist seit Februar 2018 in Europa zugelassen.

Zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 ist eine ganze Reihe an Medikamenten auf dem Markt. Immer wieder werden neue Substanzen entwickelt, die im Vergleich zu den Vorgängern noch besser wirken oder verträglicher sein sollen. Ein solcher Kandidat ist seit 2018 auch Semaglutid.

Mehr Insulin, weniger Zucker

Als sogenannter Agonist am GLP-1-Rezeptor müssen Sie sich die Wirkung folgendermaßen vorstellen:

Das Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) ist ein Hormon, das aus dem Dünndarm freigesetzt wird, wenn wir kohlenhydratreiche Nahrung zu uns nehmen. Es begibt sich daraufhin schnurstracks in Richtung Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und erstattet den Zellen, die dort für die Insulinproduktion zuständig sind, Bericht. Dazu dockt es an eine bestimmte Ankerstelle auf der Oberfläche dieser Zellen, eben den GLP-1-Rezeptor, an und aktiviert ihn. Nach mehreren komplizierten Reaktionen ist es soweit: Insulin wird ausgeschüttet und drosselt den Blutzuckerspiegel.

Semaglutid ahmt nun genau diesen Prozess nach, indem es sich gewissermaßen als Darmhormon tarnt und die Pankreaszellen entsprechend stimuliert. In der Folge sinkt der Zuckergehalt im Blut. Das macht sich nicht nur für den Moment, sondern auch nachhaltig im sogenannten HbA1c bemerkbar, dem Langzeitwert für den Blutzucker.

Weniger Heißhunger und Fettgelüste

Neben der Ausschüttung von Insulin drosselt Semaglutid auch dessen Gegenspieler, das Glucagon, für das wiederum andere Zellen der Bauchspeicheldrüse verantwortlich sind. Dieser Botenstoff bewirkt genau das Gegenteil und sorgt für eine verstärkte Glucoseproduktion in der Leber.

Darüber hinaus hat GLP-1 weitere Effekte, die Ozempic® gezielt verstärkt. Es wirkt nämlich nicht nur im Pankreas, sondern auch im Gehirn. Dort reguliert es den Appetit, verhindert Heißhungerattacken und sorgt dafür, dass wir sehr fetthaltige Lebensmittel weniger attraktiv finden.

So kommt es, dass Semaglutid das Gewicht und den Fettgehalt des Körpers reduziert – ein attraktiver Nebeneffekt bei Typ-2-Diabetikern, die oft auch mit Gewichtsproblemen kämpfen. Die Gewichtsreduktion fällt unter dem neuen Wirkstoff sogar noch stärker aus als unter seinen Vorgängern aus derselben Substanzgruppe. Je nach Dosis und Begleitmedikation beträgt sie etwa 5 bis 6 kg.

Gut fürs Herz und die Gefäße

Weitere Pluspunkte liegen, wie die Zulassungsstudien klar zeigten, darin, dass Ozempic® den Blutdruck senkt, die Blutfettwerte normalisiert und Entzündungen entgegenwirkt. Zumindest in Tierversuchen verkalkten die Gefäße dadurch seltener. Auch Personen mit Herzerkrankungen bzw. Risikofaktoren im Herz-Gefäß-System können von der Behandlung profitieren.

GLP-1-Rezeptoragonisten haben im Vergleich zu manch anderen Antidiabetika den Vorteil, dass das Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien) gering ist. Das liegt daran, dass sie quasi nicht über das Ziel hinausschießen können, da sie nur in Anwesenheit von Glucose wirken. Wenn wenig Zucker im Blut ist, senken sie den Spiegel auch nicht weiter. So können gefährliche Zwischenfälle, die etwa bei einer Therapie mit Insulin oder anderen Mitteln gefürchtet sind, vermieden werden.

Insgesamt sorgt Semaglutid für eine stabile Regulierung des Blutzuckerspiegels und eine deutliche Gewichtsreduktion und ist vor allem auch für Betroffene mit Herz-Gefäß-Problemen geeignet. Meist wird es in Kombination mit anderen Medikamenen eingesetzt.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)