Wie wirken SGLT-2-Hemmer (Forxiga, Jardiance) bei Diabetes?

SGLT-2-Hemmer setzen an der Niere an und senken den Blutzuckerspiegel über eine vermehrte Ausscheidung von Glucose mit dem Urin.

Ein neuer Wirkmechanismus

Wirkstoffe wie Dapagliflozin und Empagliflozin gehören der jüngsten Substanzklasse der oralen Antidiabetika an, den sogenannten SGLT-2-Hemmern. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn sich der Blutzucker durch eine Ernährungsumstellung und mehr körperliche Aktivität nicht ausreichend senken lässt bzw. wenn ein einzelnes Medikament nicht stark genug ist. Dadurch, dass sie ganz anders wirken, lassen sie sich sehr gut kombinieren und ergänzen die Effekte anderer Substanzen.

Angriffspunkt der SGLT-2-Hemmer ist ein Transporteiweiß in der Niere, der Natrium-Glucose-Transporter (engl. sodium glucose transporter, SGLT). Im geschlängelten Kanalsystem der Niere ist er, wie der Name schon sagt, dafür zuständig, Natrium und Glucose (Zucker) zu befördern, und zwar aus der Niere ins Blut (Rückresorption). SGLT 2 "rettet" also gewissermaßen den Zucker, bevor er unwiederbringlich mit dem Urin ausgeschieden wird und sorgt somit dafür, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt.

Auch Gewicht und Blutdruck sinken

Bei Diabetikern meint es dieser Transporter besonders gut und schafft jede Menge Glucose zurück ins Blut. Daher liegt die Idee nahe, das kleine Eiweiß zu blockieren und die Rückresorption dadurch zu begrenzen.

Genau das ist die Aufgabe der neuen Diabetesmedikamente. Dabei sind sie sehr effektiv und schaffen pro Tag 50-100 g Zucker aus dem Körper. Das sind etwa 30 % der täglichen Kohlenhydratzufuhr. Gleichzeitig gehen damit 300-400 kcal verloren – ein günstiger Nebeneffekt, der im Schnitt zu einer Gewichtsreduktion von 2-3 kg verhilft.

Schließlich werden auch die Gefäße entlastet, da der Blutdruck unter den SGLT-2-Hemmern sinkt. Die Medikamente scheinen insgesamt günstig fürs Herz-Kreislauf-System zu sein und verlängern sogar statistisch gesehen die Lebenszeit. Gerade bei Menschen mit Diabetes, bei denen die Gefäße, das Herz und andere Organe besonders gefährdet sind, spielt das eine große Rolle.

Alles auf einen Blick

Zusammenfassend wirken SGLT-2-Hemmer bei Diabetes folgendermaßen:

  • Hemmung der Rückresorption von Glucose ins Blut
  • dadurch Senkung der Blutzuckers
  • Gewichtsreduktion
  • Absenken des Blutdrucks
  • verringerte kardiovaskuläre (Herz-Gefäß-) Sterblichkeit

Im Gegensatz zu anderen Mitteln besteht bei den neuen Substanzen nur eine geringe Gefahr für sogenannte Hypoglykämien (Unterzuckerung), da sie unabhängig von Insulin wirken und den Zucker vor allem bei entsprechend hohen Blutwerten ausschwemmen.

Gefahr von Genitalinfektionen und Übersäuerung

Der Schwachpunkt der Medikamente liegt in Nebenwirkungen wie Infektionen im Genitalbereich und in den Harnwegen. Außerdem können sie zu einer Stoffwechselentgleisung führen und den Körper übersäuern. Mediziner sprechen von einer sogenannten Ketoazidose. Bei akuten Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Infektionen sowie vor größeren operativen Eingriffen sollten SGLT-2-Hemmer daher abgesetzt bzw. pausiert werden.

Wirkstoffe wie Dapagliflozin und Empagliflozin sind außerdem abhängig von der Nierenfunktion. Wenn die Niere weniger gut arbeitet, ist auch der Effekt der Medikamente geringer. Ab einem gewissen Grad der Funktionseinschränkung ist es daher nicht mehr sinnvoll, SGLT-2-Hemmer einzusetzen.

Insgesamt bereichern die Substanzen das therapeutische Spektrum der oralen Antidiabetika. Besonders elegant ist der neue Angriffspunkt über die Niere, was vielfältige Kombinationen zulässt. Ob auch für Sie eine Behandlung mit SGLT-2-Hemmern in Frage kommt, kann Ihnen Ihr Arzt sagen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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