Was sind Biguanide?

Was sich anhört wie eine Reptilienart ist eine Gruppe bestimmter Arzneimittel. Der berühmteste Vertreter ist Metformin (Glucophage® u.a.), einer der wichtigsten Wirkstoffe in der oralen Diabetes-Therapie (Tabletten statt Insulin).

Alle Biguanide haben eine bestimmte chemische Struktur, was sie zu Vertretern ein und derselben Gruppe macht. Das war es aber auch schon fast mit den Gemeinsamkeiten. Das zweite, halbwegs berühmte Biguanid ist Proguanil, das in der Vorbeugung und Behandlung von Malaria eingesetzt wird. Es ist bekannter unter seinem Handelsnamen Paludrine®.

Gefahr der Laktat-Überschwemmung

Die zwei weiteren Biguanide, Buformin und Phenformin, wurden mit ähnlicher Absicht wie Metformin entwickelt, also für die Tabletten-Behandlung des Typ-2-Diabetes. Beide Wirkstoffe mussten aber Ende der 70er Jahre wieder vom Markt genommen werden, weil es zu Todesfällen nach der Einnahme gekommen war. Und zwar kann es durch eine Hemmung der Laktat-Verwertung im Körper zu einer sogenannten Laktat-Azidose kommen. Das ist eine massive Übersäuerung des Blutes mit Laktat, die lebensgefährlich ist. Zwar kann auch Metformin zu einer Laktat-Erhöhung führen, hier ist die Gefahr bedrohlicher Zunahmen aber viel geringer.

Insgesamt sínd die Biguanide etwas seltsame Arzneistoffe, da sie einerseits schon seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt werden (Metformin ist in der Diabetes-Therapie ein Klassiker, für Proguanil gilt ähnliches in der Malaria-Bekämpfung), andererseits immer noch nicht so ganz klar ist, wie sie wirken. Fest steht nur, dass ihre Wirkweise recht komplex ist. Metformin zum Beispiel hemmt nicht nur Leberzellen bei der Glukose-Produktion, es behindert auch die Glukose-Aufnahme im Darm und es sorgt zudem noch dafür, dass die Körperzellen Insulin besser verwerten können. Drei biochemisch völlig unterschiedliche Mechanismen, aber alle mit dem gleichen Effekt – zumindest bei Diabetes.

So etwas gibt es in der Arzneistoff-Entwicklung eher selten.

Autor: Ihr Dr. med. Jörg Zorn

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