Wie wirkt Empagliflozin (Jardiance) bei Diabetes mellitus?

Der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin (Handelsname Jardiance®) wurde im Jahr 2014 zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen. Er verstärkt die Glucoseausscheidung über den Urin und senkt damit den Blutzuckerspiegel.

Ein neuer Baustein in der Diabetesbehandlung

SGLT-2-Hemmer sind eine recht neue Substanzklasse in der Diabetestherapie. Sie bereichern die Vielfalt und vor allem die Kombinationsmöglichkeiten der Behandlung, da sie an einer ganz anderen Stelle angreifen als andere Antidiabetika, die direkt auf die Bauchspeicheldrüse zielen und die Insulinproduktion anregen. Medikamente wie Jardiance® dagegen setzen an der Niere an.

Im Filtersystem des paarigen Organs gibt es Transporteiweiße, die gezielt Zucker zusammen mit Natrium aus den Nierenkanälchen zurück ins Blut befördern. Diese Transporter werden im Englischen sodium glucose transporter (SGLT) genannt, also Natrium-Glucose-Transporter. Es sind insgesamt drei dieser speziellen Vehikel bekannt. In der Niere spielt vor allem die Nummer 2 eine Rolle. Über SGLT 2 werden ca. 90 % der täglich aufgenommenen Glucose rückresorbiert, wie es in der Fachsprache heißt, d.h. sie gelangen zurück ins Blut, so dass die wichtige Energie dem Körper weiterhin zur Verfügung steht und nicht ausgeschieden wird.

Nicht nur der Blutzucker sinkt

Bei Menschen mit Diabetes ist dieser Transporter allerdings etwas übereifrig, schafft Mengen an Zucker zurück ins Blut und lässt den Blutzucker dadurch emporschnellen. Also war der Gedanke der Erfinder der SGLT-2-Hemmer, die Transporter kurzerhand zu blockieren, um der Glucoseschwemme Einhalt zu gebieten. In der Folge bleibt der Zucker im Nierensystem und wird mit dem Urin ausgeschieden – eine elegante Lösung, um die überschüssige Süße loszuwerden.

Da diese Wirkweise unabhängig vom Insulinhaushalt ist, lässt sich Empagliflozin sehr gut mit anderen Diabetesmedikamenten kombinieren, kann aber auch alleine verabreicht werden. Und zwar in jedem Stadium der Erkrankung. Darüber hinaus hat die Substanz weitere Vorteile.

Jardiance® bewirkt neben der Senkung des Blutzuckers folgendes:

  • Gewichtsreduktion
  • Senkung des Blutdrucks
  • Schutz von Herz und Gefäßen

Auf genug Flüssigkeit achten

Mit dem vielen Zucker gehen natürlich auch etliche Kalorien verloren. Das erklärt die purzelnden Pfunde auf der Waage, die immerhin durchschnittlich 2-3 kg ausmachen. Durch die verstärkte Ausschwemmung von Flüssigkeit sinkt außerdem der Blutdruck.

Die Kehrseite dieses Effekts ist allerdings, dass der Körper dadurch auch schneller austrocknet. In manchen Situationen (z.B. bei akuten Magen-Darm-Infekten mit starkem Durchfall) muss die Behandlung mit Empagliflozin daher ggf. unterbrochen werden.

Weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle

In der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 spielt immer mehr nicht nur die Senkung des Blutzuckers, sondern auch die sogenannte kardiovaskuläre Sicherheit der Medikamente eine Rolle, d.h. der Schutz von Herz und Gefäßen. Denn Diabetes ist eine komplexe Stoffwechselerkrankung, die den gesamten Körper betrifft und an zahlreichen Organen erheblichen Schaden anrichten kann.

Daher müssen sich neue Diabetesmedikamente immer daran messen lassen, wie sicher sie für das Herz-Kreislauf-System sind. Auch hier schneidet Empafliglozin gut ab. In Studien zeigte sich, dass entsprechend gefährdete Diabetiker besser vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall geschützt waren und seltener eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) entwickelten.

Wie jedes Medikament hat natürlich auch Jardiance® seine Schwächen und Nebenwirkungen. Dazu gehören v.a. lästige Harnwegs- und Genitalinfektionen. Außerdem ist die Wirkung des Medikaments abhängig von der Nierenfunktion. Wenn die Nieren weniger gut arbeiten, ist auch der Effekt der SGLT-2-Hemmer geringer. Ab einem gewissen Grad der Nierenfunktionsstörung ist eine Behandlung mit Empagliflozin daher nicht mehr sinnvoll.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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