Spätfolgen beim Diabetes: Warum ist die frühe Blutzuckereinstellung so wichtig?

Viele Folgeerkrankungen beim Diabetes entwickeln sich erst nach vielen Jahren. Ob sie eintreten, hängt jedoch entscheidend von einer frühzeitigen Behandlung ab.

Was wir nicht direkt am eigenen Leib erfahren, kümmert uns oft nicht weiter. Theoretisch wissen wir, dass uns ein ungesunder Lebensstil, schweres Essen und wenig Bewegung auf Dauer nicht guttun. Und doch hapert es oft an der notwendigen Konsequenz und Ausdauer. Noch ist ja alles gut, wir fühlen uns fit wie ein Turnschuh.

Der Schein trügt

Leider bleibt das aber nicht auf Dauer so. Neben den natürlichen Altersprozessen können uns Krankheiten frühzeitig beeinträchtigen und uns auf schmerzliche Weise spüren lassen, wie es ist, wenn eben nicht mehr alles reibungslos funktioniert. Dazu gehört auch der Diabetes mellitus.

Das Tückische bei dieser umfassenden Stoffwechselerkrankung ist, dass Betroffene anfangs oft gar nichts davon bemerken. Meist ist es eine Routinebefund, der irgendwann in der Hausarztpraxis auffällt. Wenn der Arzt eine Therapie einleitet, wundert sich der eine oder andere vielleicht sogar und nimmt es etwas lockerer mit der Blutzuckereinstellung. Langfristig kann das aber fatale Folgen haben.

Folgeerkrankungen können gefährlich werden

Dass der Diabetes trotz seiner schleichenden, kaum merklichen Entwicklung keineswegs harmlos ist, zeigen die zahlreichen, zum Teil gravierenden Folgen, die er im Lauf der Jahre mit sich bringen kann. Von Kopf bis Fuß kann der gesamte Körper betroffen sein: Gehirn und Augen, Herz, Nieren und das Nervensystem, aber auch der Verdauungstrakt und die Muskeln – der Diabetes beeinträchtigt sie alle.

Das kann unangenehm sein, wenn man etwa an Sodbrennen, Verstopfung oder Wadenkrämpfe denkt. Und es kann akut lebensbedrohlich werden wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Studie: Schon das erste Jahr ist entscheidend

Ob es zu solchen schwerwiegenden Komplikationen kommt, hängt ganz entscheidend davon ab, wie gut Sie eingestellt sind. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine adäquate Blutzuckerkontrolle von Beginn an wichtig ist, um das Risiko für Folgeschäden zu minimieren. Gerade im ersten Jahr werden die Weichen für später gestellt.

Eine Studie aus den USA mit über 34000 Probanden mit Typ-2-Diabetes, die über einen Zeitraum von 13 Jahren verlief, konnte belegen, dass HbA1c-Werte von ≥ 6,5% bereits im ersten Jahr nach der Diagnose ein erhöhtes Risiko für spätere Folgeerkrankungen bergen. Betroffene, die schon früh Werte über 7% hatten, starben zudem früher als besser eingestellte Diabetiker. Eklatant stieg die Sterblichkeit bei einem HbA1c jenseits von 8%.

Nehmen Sie Ihre Erkrankung daher von Anfang an ernst, halten Sie Ihren Therapieplan ein und messen Sie regelmäßig Ihren Blutzucker. Wenn Sie dann noch auf einen gesunden Lebensstil achten, haben Sie gute Chancen, noch lange fit zu bleiben.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

 

Studie:

Laiteerapong N et al. The Legacy Effect in Type 2 Diabetes: Impact of Early Glycemic Control on Future Complications (the Diabetes & Aging Study). Diabetes Care 2018; doi:10.2337/dc17-1144.

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