Welche Spätkomplikationen können beim Diabetes mellitus auftreten?

Zu den Spätkomplikationen beim Diabetes gehören Durchblutungsstörungen im Bereich des Herzens, des Gehirns und der Füße. Daneben können die Nieren, Augen und das Nervensystem betroffen sein.

Eine Erkrankung des ganzen Körpers

Diabetes mellitus ist weit mehr als ein erhöhter Blutzucker. Er ist vielmehr eine komplexe Stoffwechselerkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Das liegt daran, dass der Botenstoff Insulin vielfältige Aufgaben im Körper übernimmt, die neben dem Kohlenhydrat- auch den Fett- und Eiweißstoffwechsel umfassen.

Insulin ist gewissermaßen fürs Aufräumen zuständig und hält die körperlichen Reserven aufrecht. Zucker aus der Nahrung gelangt in die Zellen und wird dort gespeichert. Freie Fettsäuren werden eingefangen und für Notzeiten aufbewahrt, ebenso wie Eiweiße, die zu wichtigen Funktionsträgern aufgebaut werden.

Wenn Insulin fehlt

Kann das Insulin nicht mehr wirken – sei es durch einen absoluten Mangel beim Typ-1-Diabetes oder ein "Abstumpfen" der Zielgewebe beim Typ-2-Diabetes – drehen sich sämtliche Prozesse um. Der Körper schaltet quasi von "Aufbau" auf "Abbau" und rüstet sich für vermeintlich anstehende Aufgaben. Dadurch steigt nicht nur der Blutzucker; es fallen auch zahlreiche Substanzen an, die dem Körper dauerhaft zusetzen.

Davon betroffen sind vor allem kleine Gefäße an Nieren, Augen und Nerven. Die Schäden werden auch als Mikroangiopathie bezeichnet.

Große und kleine Gefäße betroffen

Daneben werden beim Diabetes auch die großen Gefäße für Herz, Gehirn und Extremitäten in Mitleidenschaft gezogen. Dafür verantwortlich ist das sogenannte metabolische Syndrom, das häufig mit einem Diabetes assoziiert ist. Es umfasst neben einem erhöhten Blutzucker auch starkes Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck und veränderte Blutfettwerte. All das führt im Laufe der Jahre zu Gefäßverkalkungen mit all ihren schädlichen Folgen.

Bei den Spätkomplikationen des Diabetes mellitus wird also unterschieden zwischen:

  • Mikroangiopathien (Veränderungen an den kleinen Gefäßen von Nieren, Augen und Nerven)
  • Makroangiopathien (Veränderungen an den großen Gefäßen von Herz, Gehirn und Extremitäten)

Von Kopf (Schlaganfall) bis Fuß (pAVK)

Was heißt das aber nun konkret, und wie relevant ist das für Sie? Unter diesen sperrigen Begriffen können sich viele vermutlich noch nicht so viel vorstellen. Tatsächlich machen sich die Schäden an den Gefäßen irgendwann aber ganz konkret bemerkbar.

Spätfolgen des Diabetes sind u.a.:

  • Schlafanfall
  • Herzinfarkt
  • Herzrhythmusstörungen
  • Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK)
  • Augenerkrankungen (Grauer Star, Grüner Star, Netzhautschäden)
  • Nierenschäden
  • Blasenstörung
  • Völlegefühl, Sodbrennen
  • Blähungen, Verstopfung, Durchfall
  • Nervenschäden
  • Muskelschmerzen und -schwäche, Wadenkrämpfe
  • bei Männern Erektionsstörungen, Impotenz

Achten Sie daher gut auf Ihren Blutzucker und nehmen Sie die regelmäßigen Kontrollen ernst. Es wird sich langfristig auszahlen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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