Können Omega-3-Fettsäuren Diabetes verhindern?

Die heutige westliche Ernährung führt oft zu einem eklatanten Mangel an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Durch Fast Food, Fertiggerichte und Lebensmittel aus industrieller Fertigung nehmen wir oft zu viele ungesunde Transfette zu uns – und die gesunden Fette, die wir dringend brauchen, bleiben auf der Strecke.

Omega-3-Fettsäuren sind gesund: Sie halten die Gefäße fit, stellen eine gute Nahrungsergänzung bei Depressionen dar und beugen sogar Alzheimer vor. Aber nicht nur das: Sie besitzen auch eine in vielen Studien bestätigte Schutzfunktion vor Diabetes Typ I.

Was ist Diabetes Typ I?

Beim Diabetes Typ I handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Das bedeutet, dass das körpereigene Abwehrsystem, das sich eigentlich mit der Bekämpfung von eindringenden Krankheitserregern beschäftigen sollte, sich gegen körpereigene, also unschädliche Zellen richtet.

Bei Diabetes Typ I werden diejenigen Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin herstellen, angegriffen und vernichtet. Dann kann die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin für die Körperzellen bereitstellen. Warum das genau passiert, ist noch nicht abschließend erforscht. Man kennt aber einige Risikofaktoren wie z.B. Übergewicht, schlechte Ernährung und Bewegungsmangel, die einen Diabetes Typ I wahrscheinlicher machen.

Wenn man einen Diabetes vom Typ I hat, muss man das Insulin dem Körper künstlich zuführen, d.h. spritzen. Nur so kann vermieden werden, dass der Stoffwechsel durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel entgleist. Oft zeigt sich dieser Diabetes-Typ schon bei Kindern oder Jugendlichen. Insgesamt sind rund 300.000 Menschen in Deutschland davon betroffen.

Im Unterschied zu diesem Typ liegt beim Typ-II-Diabetes eine nachlassende Sensibilität der Körperzellen gegenüber dem Insulin vor. Man spricht auch von einer Insulinresistenz. Die Körperzellen bekommen also eigentlich genug Insulin, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen eindringen zu lassen und als Energiequelle zu verwerten, aber die Zellen sprechen nicht ausreichend auf das Hormon an.

Was Diabetes Typ I mit Omega-3-Fettsäuren zu tun hat

Eine Studie, die im US-amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, stellte fest: Es besteht ein Zusammenhang zwischen einer Ernährungsweise, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist und einer verringerten Zahl der sogenannten Inselzellantikörper. Diese werden maßgeblich für den Diabetes vom Typ I verantwortlich gemacht.

Eine weitere Untersuchung in Norwegen kam zu dem Schluss, dass Kinder seltener einen Diabetes Typ I entwickeln, wenn die Eltern ihnen Lebertran gegeben hatten. Lebertran ist reich an Omega-3-Fettsäuren, vor allem Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).

Fischöl gegen Diabetes

Auch die USA liefern Beweise für die präventive Wirkung von Omega-3-Fettsäuren in Bezug auf Diabetes. Eine Studie stammt von der "Harvard School of Public Health", und die Ergebnisse wurden im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism" der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Fischöl fördert die Herstellung eines Hormons, das die Gefahr für Herzerkrankungen und Diabetes verringern kann. Die Omega-3-Fettsäuren im Fischöl steigern den Adiponektingehalt des Blutes. Dieses Hormon leistet einen wichtigen Beitrag zum Stoffwechsel des Blutzuckers und zur Einhegung von Entzündungen im Organismus.

Das Studiendesign bestand in einer Meta-Analyse, für die mit statistischen Mitteln 14 Studien, die jeweils mit Placebos kontrolliert worden waren, zusammengeführt wurden. 628 der Probanden bekamen Fischöl, 641 ein Placebo, das nur Sonnenblumen- und Olivenöl enthielt. Die Gruppe mit dem Fischöl zeigte einen gesteigerten Adiponektinspiegel im Blut um herausragende 0,38 μg/ml. So konnte festgestellt werden, dass der Konsum von Fischöl das Adiponektin erhöht und auf diese Weise die Gefahr für einen Diabetes und all seine Folgeerkrankungen senkt. Der Blutzucker kann so besser vom Organismus kontrolliert werden, und der Stoffwechsel der Fettzellen wird verbessert.

Eine bahnbrechende Studie aus Colorado

Jill Norris leitete an der Universität Colorado, die sich in Denver befindet, die Untersuchung der Daten der sogenannten "Diabetes Autoimmunity Study in the Young" (DAISY). An dieser groß angelegten Studie waren rund 1.770 Kinder als Probanden beteiligt, die zu einer Risikogruppe für Diabetes Typ I gehörten. Entweder waren ihre Eltern oder Geschwister daran erkrankt, oder sie hatten bestimmte Eigenschaften nach dem HLA-System (HLA steht für humanes Leukozytenantigen).

Die Studiendauer war auf 6,2 Jahre angelegt. In diesem Zeitraum wurden bei 58 Kindern Antikörper gegen die Inselzellen festgestellt, also Antikörper, die sich gegen die insulinproduzierenden Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse richten können. Diese Antikörper sind oft der Auslöser für den Angriff des Immunsystems auf die Bauchspeicheldrüsenzellen, der dann zu einem Unterbleiben der Insulinherstellung führt.

Ab dem zweiten Lebensjahr wurde jedes Jahr ein Ernährungsfragebogen angelegt, der die Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren in etwa aufzeigt. Das Ergebnis: Diejenigen Kinder, die regelmäßig Omega-3-Fettsäuren zu sich nahmen, hatten ein deutlich verringertes Risiko, die Inselzellantikörper zu entwickeln. Das Risiko zeigte sich in einer Modellrechnung als um 55% reduziert. Für Omega-6-Fettsäuren ließ sich dieser Zusammenhang nicht belegen.

Und wie machen Omega-3-Fettsäuren das?

Einen konkreten Grund für diese Erkenntnis lässt sich nur vermuten:

Die Omega-3-Fettsäuren lagern sich in der Membran der Zelle an, wo sie einer Vielzahl von Enzymen zur Verfügung gestellt werden, auch den Eicosanoiden. Diese wirken Entzündungen entgegen. Es könnte sein, dass sie auch die Zerstörung der Zellen der Bauchspeicheldrüse durch das Immunsystem verhindern können.

Jedenfalls stellte eine weitere Studie zur Fallkontrolle fest, dass die Steigerung der Konzentration von Omega 3 in der Membran der Zelle mit einem um 37% reduzierten Risiko verbunden ist, Inselzellantikörper herzustellen. Hier können Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl gute Dienste leisten, einen Diabetes Typ I unwahrscheinlicher zu machen.

Fazit: Die hier angeführten Studien – so unterschiedlich sie teilweise auch angelegt waren – liefern Hinweise, dass die Omega-3-Fettsäuren einen positiven Einfluss nehmen auf die Frage, ob man einen Diabetes Typ I entwickelt oder nicht. Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Fischöl bieten sich an, wenn man nicht so viel Fisch essen will – schließlich sind die Omega-3-Fettsäuren hauptsächlich im Seefisch enthalten.

Autor: Fedor Singer

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