Wie entwickelt sich ein Diabetes in der Pubertät?

Kinder mit Typ-I-Diabetes stehen bei Eintritt in die Pubertät vor einer ganz besonderen Herausforderung. Denn abgesehen von den emotionalen und hormonellen Wirrnissen fängt nun auch der Blutzucker an zu spinnen.

Fast während der gesamten Pubertät ist der Blutzucker schwieriger einzustellen als zuvor. Er schwankt stärker und verhält sich weniger vorhersehbar. Bei Mädchen kommt noch hinzu, dass mit Einsetzen der Regelblutung auch die hormonellen Umstellungen den Blutzucker durcheinander bringen. Durch den Wachstumsschub kommt es bei Jungen und Mädchen unterm Strich aber vor allem zu einem erhöhten Insulin-Bedarf.

Alles ausprobieren, strenge Regeln beim Blutzucker: Zwei Welten treffen aufeinander

Nun wäre eine Phase der schwierigeren Blutzuckereinstellung kein so großes Problem, wenn es nicht eben die Pubertät wäre. Also eine Lebenssituation, in der man einerseits zunehmend mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen soll (und übernehmen möchte), andererseits aber auch alle möglichen sinnigen und unsinnigen Dinge ausprobiert (Alkohol, Drogen, lange Nächte). Eine Phase also, in der man sich praktisch permanent in Grenzsituationen begibt. Und zwar leider auch in solche, die nicht nur die Eltern zur Verzweiflung treiben, sondern auch den Blutzucker.

Eine Pauschal-Lösung für diese Phase gibt es nicht. Außer vielleicht, als Eltern immer zur Seite zu stehen, ohne sich zu stark aufzudrängen. Zu informieren und zu begleiten. Die gute Nachrichte lautet ja immerhin: Fast alle Kinder und Jugendlichen mit Diabetes durchsegeln letztlich auch die wilde Pubertät erfolgreich.

Autor: Ihr Dr. med. Jörg Zorn, Oktober 2012

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