Mikrobiom: Was hat der Diabetes mit dem Darm zu tun?

Der Darm und seine mikrobiologische Vielfalt stehen schon seit einigen Jahren im Interesse der Wissenschaft. Dabei zeigen sich immer wieder Verbindungen zwischen der Zusammensetzung der Darmflora und chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wozu auch der Diabetes zählt.

Klein, aber oho!

Unser Darm ist voll von Bakterien und anderen Kleinstlebewesen, die dort in einhelliger Symbiose mit uns leben. Sie sind nicht nur unschädlich, sondern sogar nützlich und zum Teil unentbehrlich, da sie sowohl für eine gute Verdauung und Ausscheidung sorgen als auch eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen.

Seit man das weiß, wurde bei Menschen mit Autoimmun- oder Stoffwechselerkrankungen oft auch eine veränderte Darmbesiedlung festgestellt. Ist die empfindliche Flora einmal aus dem Gleichgewicht geraten, kann das gravierende Auswirkungen auf den gesamten Körper haben.

Gestörte Darmflora bei Diabetes

Bei Diabetikern ist dieses Phänomen schon länger bekannt. Allerdings wurde für das gestörte Mikrobiom (Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm) bislang hauptsächlich Metformin verantwortlich gemacht. Ob auch der Diabetes an sich die mikrobielle Vielfalt stören kann, wurde nun an Menschen mit einem sogenannten Prädiabetes untersucht, die grenzwertige HbA1c-Werte aufwiesen, aber noch nicht medikamentös behandelt wurden.

Die 268 Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei die eine normale Blutwerte aufwies und als reine Kontrollgruppe diente. Die Forscher sammelten neben diversen Laborwerten von jedem Probanden auch eine Stuhlprobe und werteten sie genau aus. Tatsächlich unterschieden sich Verteilung und Vielfalt der Darmbewohner bei den Prädiabetikern im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe deutlich.

Unterstützen Sie Ihre Mitbewohner

Das Mikrobiom ist ein breites Forschungsfeld und wird die Wissenschaftler noch lange auf Trab halten. Studien wie diese zeigen aber bereits jetzt, dass der Darm nicht nur ein reges Eigenleben führt, sondern wichtige Funktionen für den gesamten Körper ausübt.

Es lohnt sich also, unsere wackeren Mitstreiter im Darm mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, viel Frische und reichlich Ballaststoffen zu verwöhnen. Vielleicht pendelt sich dann auch der HbA1c wieder ein.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

 

Studie: Allin KH et al. Aberrant intestinal microbiota in individuals with prediabetes. Diabetologia 2018; 61: 810-820. doi: 10.1007/s00125-018-4550-1.

 

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