Infektionsgefahr durch SGLT-2-Hemmer?

SGLT-2-Hemmer wie Dapagliflozin (Forxiga®) oder Empagliflozin (Jardiance®) senken den Blutzuckerspiegel, indem vermehrt Glucose aus dem Körper geschwemmt wird – und zwar über den Urin.

Dieser an sich elegante Wirkmechanismus hat jedoch auch einige Nachteile. So müssen Betroffene nicht nur mit Problemen beim Wasserlassen rechnen und unter Umständen häufiger das stille Örtchen aufsuchen; manchmal entwickeln sich unter den neuen Wirkstoffen auch Infektionen im Harntrakt oder Genitalbereich. Eine Metaanalyse konnte dies nun bestätigen.

Mehr Blasen- und Genitalinfektionen

Dabei wurden 86 Studien herangezogen und analysiert, die bereits ein erhöhtes Infektionsrisiko unter SGLT2-Hemmern gezeigt hatten. Die Forscher wollten nun genauer wissen, bei welchen Wirkstoffen und in welcher Dosierung diese Gefahr am höchsten ist. Im Fokus standen neben genitalen und urologischen (den Harntrakt betreffenden) auch Magen-Darm-Infektionen sowie Lungenentzündungen.

Die Auswertung ergab: Tatsächlich war das Risiko für Infektionen im Urogenitalbereich deutlich erhöht. Dabei traten unter Dapagliflozin in einer Dosierung von 10 mg täglich die meisten Infektionen auf. Magen-Darm-Trakt und Lunge waren hingegen nicht stärker gefährdet, wobei anhand der Untersuchung hier noch keine endgültige Aussage getroffen werden kann.

Schwerste Zerstörungen: Fournier-Gangrän

Eine neue Warnung hat nun auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) ausgesprochen. Demnach könnten SGLT-2-Inhibitoren eine weitere, weitaus schwerwiegendere Infektion begünstigen: die sogenannte Fournier-Gangrän.

Bei diesem gefährlichen Krankheitsbild schleichen sich Erreger über kleine Hautverletzungen im Leisten- und Genitalbereich in tiefere Gewebeschichten. Hier breiten sie sich rasch aus und verursachen schwerste Schäden. Haut und Weichteile werden zerstört; es droht eine weitere Keimverbreitung über die Blutbahn bis hin zur schweren Sepsis (Blutvergiftung).

Schlechte Durchblutung und Abwehr bei Diabetikern

Dieses dramatische Bild ist zum Glück sehr selten. Allerdings sind Diabetiker ohnehin schon etwas mehr gefährdet als Menschen mit gesundem Stoffwechsel. Denn bei der Zuckerkrankheit sind auch die Durchblutung und die körpereigene Abwehr eingeschränkt, so dass Eindringlinge leichtes Spiel haben. Aber auch bei Diabetikern ist die Fournier-Gangrän eine Seltenheit.

Nehmen sie SGLT-2-Hemmer ein, könnte das Risiko nochmal steigen. Das legen Auswertungen nahe, die die Nebenwirkungen der neuen Substanzklasse seit der Markteinführung beobachten. Demnach gab es seither deutlich mehr Fälle dieser akuten Gewebszerstörung als in den Jahren zuvor. Der Verdacht ist durchaus naheliegend, bietet der vermehrte Zucker im Urin doch einen idealen Nährboden für Bakterien.

Bei Beschwerden und Fieber zum Arzt

Die Warnhinweise bedeuten jedoch nicht, dass Sie Ihr Medikament sofort absetzen sollten. SGLT-2-Hemmer sind für viele Diabetiker eine gute Alternative bzw. Ergänzung zur bisherigen Behandlung. Die Sicherheit der Wirkstoffe wurde in vielen Studien untersucht, bevor sie überhaupt zugelassen wurden. Nebenwirkungen lassen sich jedoch nie ausschließen, und manche unerwünschten Effekte zeigen sich auch erst im Verlauf.

Wenn Sie im Genitalbereich oder in der Leistengegend eine Rötung oder Schwellung bemerken, die womöglich druckempfindlich ist, und gleichzeitig Fieber entwickeln, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

 

Studie: Puckrin R et al. SGLT-2 inhibitors and the risk of infections: a systematic review and metaanalysis of randomized controlled trials. Acta Diabetol 2018; 55: 503-514. doi: 10.1007/s00592-018-1116-0.