Sieben Tassen Kaffee täglich gegen Diabetes?

Wer viel Kaffee trinkt, bekommt seltener Diabetes. Das ist das Ergebnis gleich meherer großer Studien. Diejenigen, die das jetzt herausposaunen, verdienen aber vor allem daran – und lassen die Risiken unerwähnt.

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Gleich mehrere "Pro-Kaffee-Studien"

Schon im Jahre 2002 hatte eine niederländische Studie gezeigt, dass reichlicher Kaffeegenuss die Wahrscheinlichkeit senkt, an Diabetes zu erkranken. Allerdings mussten es der Untersuchung zufolge schon vier bis sieben Tassen täglich sein, um einen klaren Effekt zu haben. Ziemlich viel also. Eine schwedische Studie kam 2004 zu ähnlichen Ergebnissen.

Dass der günstige Effekt auf den Zuckerstoffwechsel nicht vom Koffein herrührt, zeigte dann eine Untersuchung aus dem Jahre 2006. Darin nämlich war der positive Effekt bei entkoffeiniertem Kaffee genauso groß.

Und was im Kaffee schützt dann vor Diabetes? Möglicherweise sogenannte Antioxidantien, sagen Experten. Das sind Substanzen, die im Körper sauerstoffreiche und schädliche Stoffwechselzwischenprodukte abfangen. Sie finden sich im Kaffee, allerdings auch in vielen anderen Nahrungsbestandteilen, unter anderem in Vitaminen.

Die Kaffee-Lobby und ihre Helfer

Also alles in Butter, nur viel Kaffee trinken, dann ist man geschützt? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn zum einen hat Kaffee auch ungünstige Eigenschaften. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt neben dem mitunter negativen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und den Magen auch erhöhte Blutfettwerte und sogar eine potentielle Krebsgefahr bei zu viel Kaffee.

 

Fast noch stutziger sollte einen aber machen, von wem diese Pro-Kaffee-Meldungen stammen. Namentlich nämlich vom Deutschen Grünen Kreuz. Und diese so wunderbar nach selbstlosem Engagement klingende Institution ist bekannt dafür, an ihren Gesundheitsschutz-Meldungen mitzuverdienen. Und so ist denn auch die aktuelle Kaffee-Lobhudelei ganz und gar nicht selbstlos: Sponsor ist der Deutsche Kaffeeverband. Von diesem Verband finanziert unterhält das Deutsche Grüne Kreuz die Website www.kaffee-wirkungen.de, auf der die gesundheitsfördernden Effekte des Kaffees in den hellsten Farben geschildert werden.

Damit Sie uns nicht falsch verstehen. Ein paar Tassen Kaffee am Tag sind auch aus unserer Sicht in aller Regel kein Problem. Aber ein Problem ist, wenn man mit zweifelhaften Gesundheitsmeldungen Geld verdienen will.


Autoren: WANC/Ihr Dr. med. Jörg Zorn, 17.11.08
Quelle: Deutsches Grünes Kreuz, Bundesinstitut für Risikobewertung