Herzschwäche durch neue Diabetes-Medikamente

Die Diabetes-Medikamente aus der Gruppe der Glitazone erhöhen das Risiko für eine Herzschwäche. Das ist das Ergebnis einer zusammenfassenden Analyse mehrerer Studien, die jetzt im renommierten Fachblatt Lancet veröffentlicht wurde. Es geht namentlich um die Wirkstoffe Rosiglitazon (Avandia®) und Pioglitazon (Actos®).

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Neues Wirkprinzip: Zellen sprechen besser auf Insulin an

Die genannten Medikamente sind noch relativ neu, so dass bisher nochwenig über Langzeiteffekte bekannt ist. Sowohl Rosiglitazon als auch Pioglitazon sind sogenannte Insulin-Sensitizer. Das heißt, sie erhöhen die Sensität der Körperzellen für Insulin. Das Insulin kann somit seiner Aufgabe besser nachkommen und den Zucker im Blut als Energiereserve in die Zellen verfrachten.

Abgesehen von einer effektiven Blutzuckersenkung stehen die Insulin-Sensitizer aber schon länger in der Kritik. Eine Leberschädigung unter einem Vorläufer-Präparat, eine erhöhte Knochenbruchrate bei Frauen nach den Wechseljahren und eine erhöhte Herzinfarktgefahr haben Zweifel aufkommen lassen, ob hier die Nutzen-Risiko-Relation stimmig ist.

Behandlung mit Rosiglitazon und Pioglitazon genau abwägen

Und nun kommt noch ein weiterer Makel hinzu. Die US-amerikanischen Forscher fassten die Ergebnisse von sieben Studien mit insgesamt über 20.000 Patienten zusammen und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Das relative Risiko für eine Herzschwäche (kongestive Herzinsuffizienz) nimmt um 72% zu. Das klingt nach ein bisschen mehr als es ist, denn eine 72%ige Risikozunahme bei einem relativ seltenen Problem entführt das Problem nicht aus der Kategorie "selten". Dennoch ist dieses Ergebnis natürlich absolut ernst zu nehmen, zumal es in der Diabetes-Behandlung zahllose Alternativen gibt.

Erklärt wird der Zusammenhang mit einem Nebeneffekt der Insulin-Sensitizer: Sie neigen dazu, etwas mehr Flüssigkeit im Körper zurückzuhalten. Das führt im Extremfall zu einer übermäßigen Volumenbelastung für das Herz. Es muss also mehr Blut pumpen, was auf Dauer die Herzmuskulatur schwächt.

Fazit:

Die Verschreibung und Einnahme von Rosiglitazon und Pioglitazon sollte genau abgewogen werden. Inssbesondere, wenn schon Probleme mit dem Herzen bestehen, sollte auf andere Medikamente zurückgegriffen werden.

Autoren: WANC/Ihr Dr. med. Jörg Zorn, 04.10.07
Quelle: Lancet 2007; 370: 1129

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