Die Hilfe der Angehörigen ist enorm wichtig

Nachgefragt bei Privatdozentin Dr. Christine Rummel-Kluge, Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig.

Frau Dr. Rummel-Kluge, Sie raten Menschen mit einer Depression dazu, unbedingt professionelle Hilfe zu suchen. Kann man als Betroffener auch selbst etwas tun?

Zunächst ist es ganz wichtig, dass man Hilfe bei einem Experten sucht. Erster Ansprechpartner ist hier der Hausarzt. Das können aber auch Fachärzte für Psychiatrie oder Psychotherapie sein. Je nach Schweregrad ist eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und/oder eine Psychotherapie notwendig. Darüber hinaus gibt es viele  Möglichkeiten der Selbsthilfe – zur Unterstützung der Behandlung beim Arzt. Dazu gehört der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel auch online. Wir haben unter www.diskussionsforum-depression.de ein sehr großes Online-Forum, das rund um die Uhr auch anonym und ohne Registrierung genutzt werden kann. Das ist vor allem in der Anfangsphase der Erkrankung wichtig. Auch Sport oder Entspannungsmethoden können die Behandlung unterstützen. Wobei sportliche Aktivitäten vielen in der Gruppe leichter fallen. Was gut tut, ist erlaubt. Mit Entspannung allein lässt sich allerdings keine Depression heilen. Die Eigeninitiative ist nur eine Ergänzung zur ärztlichen Behandlung.

Wie können Angehörige die Behandlung unterstützen?

Die Hilfe der Angehörigen ist enorm wichtig. Sie müssen gut über die Erkrankung informiert sein. Ratschläge wie „Reiß dich zusammen! Das wird schon wieder“ sind nicht angebracht. Ein Depressiver kann sich nicht zusammenreißen. Genauso wenig wie ein Diabetiker auf diese Weise seinen Blutzuckerspiegel normalisieren kann. Es ist also entscheidend, dass die Angehörigen die Depression als Krankheit akzeptieren und geduldig Unterstützung signalisieren. Zum Beispiel können sie einen zeitnahen Termin beim Facharzt vereinbaren, wozu ein Mensch mit einer Depression oft nicht mehr in der Lage ist. Sie können den Betroffenen aber auch im Alltag immer wieder dazu motivieren, kleine Dinge selbst zu erledigen und ihm wirklich nur so viel abnehmen, wie nötig ist. Es tut einem depressiven Menschen nicht gut, gar nichts mehr zu tun zu haben.

Bedeutet das nicht eine riesige Belastung für die Familie?

Man kann nicht immer nur geben. Natürlich müssen die Angehörigen auch auf sich selbst achten, ihren eigenen Akku wieder aufladen. Vielen Angehörigen fällt es schwer, eigenen Interessen nachzugehen, wenn es dem Partner schlecht geht. Nur so haben sie aber die nötige Kraft, den Kranken zu unterstützen.

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 6/2014