Gibt es das „Sissi-Syndrom“ wirklich?

Das „Sissi-“oder „Sisi-Syndrom“ ist nach der österreichischen Kaiserin Elisabeth benannt, die durch rastlose (Über-) Aktivität ihre Depression zu "behandeln" bzw. zu überspielen suchte. Das Beschwerdebild des "Sisi-Syndroms" wird durch Unrast, Sprunghaftigkeit, körperliche Hyperaktivität, rasche Stimmungsschwankungen, Fasten, übertriebenen Körperkult, Selbstwertprobleme und zahlreiche Selbstbehandlungsversuche charakterisiert.

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Auch zu Werbezwecken genutzt

Fraglich ist, ob sich das Sisi-Syndrom tatsächlich als eigenständige Depressionsform abgrenzen lässt. Der Name tauchte, erfunden von einer PR-Firma, zum ersten Mal 1998 in einer Werbeanzeige auf, die in einer führenden deutschen Fachzeitschrift für Psychiatrie erschien. Das beworbene Arzneimittel  (Paroxetin) wurde als Mittel der ersten Wahl bei diesem Krankheitsbild positioniert. Im Rahmen einer breiter angelegten Kampagne und im Zusammenspiel mit öffentlichen Medien wuchs der Bekanntheitsgrad dieser neuen „Diagnose“ und führte schließlich auch in der medizinjournalistischen Fachwelt zu einem gewissen Widerhall – allerdings nur auf Deutschland begrenzt.

Fest steht nach ärztlicher Erfahrung, dass es diesen Patienten-Typ tatsächlich gibt, nicht als „neue“ Depressionsform, sondern eher im Zusammenhang mit einer Ess-Störung. Um ein quälendes und folgenschweres Leidensbild handelt es sich allemal. Und wenn diesem mit einer psychiatrischen Mode-Strömung mehr Aufmerksamkeit verschafft wurde und mehr Betroffene erfolgreich (vor allem psychotherapeutisch) behandelt werden konnten – umso besser …

Autor: Dr. Hubertus Glaser, Juni 2010

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Depression: Symptome und Anzeichen

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