Depression: Wie läuft eine Psychotherapie ab?

Die Psychotherapie umfasst die verständnisvoll-geduldige Zuwendung, das stützende Gespräch und verschiedene spezifische Behandlungsverfahren. Die Wirksamkeit der Psychotherapie ist bei einer Vielzahl von Problembereichen und Störungen wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen und als gesetzliche Krankenkassenleistung seit längerer Zeit etabliert.

Nicht immer auf der Couch

Zur Psychotherapie zählen unter anderem:

  • die Verhaltenstherapie:
    Erlernen von bestimmten Verhaltensweisen in bestimmten Situationen (z.B., wie man Ängste bekämpft)
  • die Gesprächstherapie:
    Gespräch mit dem Arzt, gemeinsames Umkreisen und Beleuchten des Problems, Psychotherapeut fragt viel, hakt nach und hört zu (bestes Beispiel: "Die Sopranos").
  • tiefenpsychologische Verfahren:
    am ehesten das, was man sich klassischerweise unter einer Psychotherapie vorstellt: Patient auf Couch, Psychotherapeut versucht, unbewusste Gedanken und Gefühle zu wecken und zu beleuchten, zum Beispiel aus früherer Kindheit.

Symptombekämpfung versus Heilung

Unter Psychotherapie versteht man also eine Behandlung mit psychologischen Mitteln. Das hört sich etwas banal an, ist aber tatsächlich ein völlig anderer therapeutischer Ansatz als Medikamente zu geben oder auf andere Weise "körperlich" zu agieren.

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Man versucht mit der Psychotherapie, den Geist oder das Gemüt über Gespräche und Übungen anzusprechen und zu beeinflussen statt von innen über Medikamente. Denn auch wenn zum Beispiel die Symptome der Depression mit Serotonin und anderen Botenstoffen im Gehirn in Zusammenhang stehen, so lassen sich diese "Glückshormone" natürlich auch von außen, also ohne Medikamente beeinflussen. Das zeigt ja schon das tägliche Leben, in dem jeder von uns Stimmungsschwankungen erlebt, ohne dafür Medikamente einzunehmen.

Das heißt aber nicht, dass Antidepressiva oder andere Medikamente immer verkehrt sind. Auch sie beeinflussen ja den Botenstoff-Verkehr in Gehirn, und meist schneller als die Psychotherapie. Aber sie können natürlich nicht die Ursachen der Depression oder einer anderen psychischen Störung beseitigen. Sie können nicht heilen, im eigentlichen Sinn. Das kann potentiell tatsächlich am ehesten die Psychotherapie.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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Psychotherapie: Ablauf, Therapeuten, Kosten