Welche Arten von Depression gibt es?

Wenn es um das Thema Depression und andere psychische Störungen geht, ist der Begriffsdschungel besonders dicht und die Konfusion groß. Die wissenschaftlichen Klassifikationsmodelle und Terminologien sind kompliziert und uneinheitlich, künftige Überarbeitungen schaffen hier hoffentlich mehr Klarheit und Licht(ungen).

Unsere 10 wichtigsten Tipps gegen Depressionen

weiterlesen...

Fest steht: Die früher gepflegte Unterscheidung in endogene, neurotische und reaktive Depression ist nicht mehr aktuell. Heute gilt in Deutschland allgemein das Diagnose-Schema nach ICD-10 als verbindlich, das sich vor allem an den Symptomen und am Verlauf orientiert. Danach wird zwischen einmaligen depressiven Episoden und rezidivierenden (wiederkehrenden) depressiven Störungen unterschieden. Der Ausprägungsgrad wird als leicht, mittelgradig, schwer sowie schwer mit psychotischen (wahnhaften) Symptomen klassifiziert.

Varianten der Depression

Zu den Unterformen der Depression, die sich hinsichtlich Krankheitsschwere, -dauer und -anzeichen unterscheiden, zählen u.a.:

  • Gehemmte Depression
  • Agitierte Depression
  • Somatisierte oder larvierte Depression
  • Winterdepression
  • Schwangerschaftsdepression
  • Wochenbettdepression (postpartale Depression)

Die Bezeichnung „Altersdepression“ entspricht nicht mehr dem Stand der Wissenschaft, da depressive Erkrankungen im Alter nicht häufiger vorkommen und sich auch nicht grundsätzlich von denen in jungen Jahren unterscheiden.

Sonderformen

Als Anpassungsstörung wird im heutigen Klassifikationsschema ICD-10 eine depressive Verstimmung bezeichnet, die durch aktuelle psychosoziale Belastungen ausgelöst wird. Die frühere, traditionelle klinische Einteilung sprach von reaktiver Depression oder depressiver Reaktion.

Dysthymie steht für die chronische Form einer depressiven Verstimmung über mindestens zwei Jahre. Dabei sind nicht alle diagnostischen Kriterien für das Vollbild einer Depression erfüllt, die noch zusätzlich auftreten kann.

Als bipolare affektive Störung wird heute das Krankheitsbild mit einem Wechsel von depressiven und manischen Episoden klassifiziert. Die früher dafür gebräuchlichen Bezeichnungen „manisch-depressive Erkrankung“ und „Zyklothymie“ sind ebenso wie der veraltete Begriff der „affektiven Psychose“ hie und da noch zu finden.

Ziehen sich die bipolaren Schwankungen mit stark abgeschwächter Symptomatik über Jahre hin, spricht man von einer Zyklothymia. Sie ist das bipolare Gegenstück zur Dysthymie.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Depressionsformen: Endogene Depression bis Winterdepression