Antidepressiva erhöhen Risiko für Grauen Star

Einige Medikamente gegen Depressionen scheinen das Risiko zu erhöhen, an Grauem Star (Linsentrübung, Katarakt) zu erkranken. Festgestellt wurde das jetzt in einer großen kanadischen Studie für die beiden Wirkstoffe Fluvoxamin (Fevarin® u.a.) und Venlafaxin (Trevilor® u.a.).

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Rund 200.000 Einwohner von Quebec im Alter über 65 Jahren waren nach ihrer Medikamenteneinnahme befragt und an den Augen untersucht worden. Insgesamt lag das Risiko für eine Linsentrübung um 15% höher, wenn Tabletten gegen Depressionen eingenommen wurden. Allerdings gab es dabei große Unterschiede zwischen den einzelnen Präparaten. In einer Feinanalyse erwiesen sich nur die Wirkstoffe Fluvoxamin und Venlafaxin als Risikofaktoren für einen Grauen Star. Die Einnahme von Fluvoxamin erhöhte die Wahrscheinlichkeit um 51%, die von Venlafaxin um 34%.

Zwischen Wahrheit und finanziellen Interessen

Fluvoxamin und Venlafaxin gehören beide zur Gruppe der SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). Das sind die meist verschriebenen Antidepressiva. Bei anderen Vertretern dieser Gruppe zeigte sich keine Risikoerhöhung für den Grauen Star (z.B. bei Fluoxetin, Citalopram and Sertralin).

Nicht ganz überraschend warnen jetzt diverse Experten auch gleich vor einer Überbewertung. Zum einen sei die Gefahr, die von einem Grauen Star ausginge, relativ gering. Die Linsentrübung ist auch ohne Antidepressiva im Alter recht häufig. Nur selten bemerkt man das überhaupt, und wenn dem so ist, kann eine Operation in den meisten Fällen die Sehschärfe wiederherstellen. Ernsthafte Komplikationen liegen im Promillebereich.

Soweit stimmt das alles. Die andere Warnung aber, dass nämlich auf Antidepressiva wegen dieser Meldung auf keinen Fall verzichtet werden sollte, weil deren Nutzen das Risiko bei weitem überwiegt, kann man auch anders sehen. Nicht wenige halten den Nutzen dieser Medikamente für sehr begrenzt, gerade bei leichteren Depressionen. Aber es wird halt wahnsinnig viel Geld damit verdient.

Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 10.03.10
Quellen: Ophthalmology (Journal), University of British Columbia

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