Depression: Vom Hausarzt oft übersehen

Depressionen werden in der Hausarztpraxis häufig übersehen. Etwa 50% aller depressiven Erkrankungen, die eigentlich behandelt werden müssten, werden vom Hausarzt nicht erkannt. Dies zumindest ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt in der Zeitschrift für Allgemeinmedizin veröffentlicht wurde. Das ist ein Fach-Journal für Hausärzte. Es handelt sich hier also nicht um das übliche Ärzte-Bashing in den Populärmedien (wobei das mitunter auch berechtigt ist).

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Beunruhigend an dieser Analyse ist vor allem, dass der Hausarzt für die meisten Menschen mit Depressionen der primäre Ansprechpartner ist. Die wenigsten gehen direkt zu einem Facharzt. Wenn also der Hausarzt das Problem nicht erkennt, bleiben die Betroffenen unerkannt und unbehandelt. Was im Einzelfall desaströs sein kann.

Zu wenig Zeit, um das Problem zu erkennen

Die Autoren in dem Fachblatt erklären sich die hohe Rate der unentdeckten Depressionen weniger mit mangelnder Kompetenz (die bringen Hausärzte in aller Regel durchaus mit) als vielmehr mit mangelnder Zeit. Die systematische Herangehensweise von Nervenärzten und Psychiatern, wie sie in den Leitlinien zur Diagnose von Depressionen festgeschrieben ist, kann in einer üblichen Hausarztpraxis nicht geleistet werden. Also muss er oder sie das Problem auch ohne große Tests und Fragebögen sozusagen auf den ersten Blick erkennen. Das gelingt oft, aber oft eben auch nicht.

Zumal die Betroffenen selten in die Praxis marschieren und sagen, ich habe miese Stimmung. Oft sind eher diffuse Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder sogar unspezifische Schmerzen Ausdruck der depressiven Erkrankung.

Fazit:

Eine Depression wird ohne klares Indiz vom Hausarzt nicht unbedingt erkannt. Es heißt also, auch selbst die Antennen auszufahren. Wenn Sie selbst oder eine enge Bezugspersonen unter anhaltender, ungewohnter schlechter Stimmung leiden, unter Lustlosigkeit oder sogar Verzweiflung, dann sprechen Sie dieses Problem bei Ihrem Hausarzt (oder ggf. auch gleich beim Facharzt) bitte möglichst offen und direkt an.

 

Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 05.12.05
Quelle: Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2005; 81 (11): S. 474-479, S. 482-485, S.486-490

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