Behandlung von Depressionen: Zu viel Fokus auf Serotonin?

Viele moderne Antidepressiva basieren auf dem Effekt, die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn zu erhöhen. Nun weist eine amerikanische Studie auf schädliche Wirkungen dieser Präparate in Tierversuchen hin und ein Expertengremium stellt in Frage, ob es für den Serotonin-Ansatz überhaupt einen Beweis gibt.

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In erster Linie geht es dabei um die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (auch SSRI genannt, z.B. die Wirkstoffe Fluoxetin, Sertralin oder Paroxetin). Diese modernen (und teuren) Medikamente wirken zwar. Aber das tun viele ältere Mittel genauso gut. Also auch solche, die keinen Einfluss auf den Serotonin-Spiegel haben. Und auch eine Psychotherapie erzielt ja bei Depressionen genauso gute Erfolge wie Antidepressiva.

Ist Serotoninmangel überhaupt die Ursache?

All das spricht nach Ansicht der Kritiker dafür, dass Serotonin nicht der alleinige Schlüssel der Depressionsbehandlung sein kann. Wahrscheinlich sind die Prozesse, die eine Depression auslösen, einfach komplexer. Dass trotzdem viele Ärzte in erster Linie auf die "modernen" Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zurückgreifen, mag auch damit zusammenhängen, dass für diese Mittel seit Jahren massiv geworben wird. Denn für die Pharmakonzerne sind Depressionen ein äußerst attraktiver Markt geworden.

Fazit: Wenn Sie oder ein Angehöriger wegen einer Depression beim Arzt sind, lohnt es sich allemal, die empfohlene Behandlung kritisch zu hinterfragen.

Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 09.11.05

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