Diagnose Alzheimer: Wie lange dauert es bis zur Pflegebedürftigkeit?

Das ist von Fall zu Fall völlig unterschiedlich. In einigen Fällen ist schon ein Jahr nach der Diagnosestellung der Alzheimer-Erkrankung ein selbstständiges Leben nicht mehr möglich. Bei anderen Betroffenen vergehen viele viele Jahre, ohne dass die Alltagstauglichkeit komplett dahin ist.

Unsere 10 wichtigsten Tipps für die Angehörigen

weiterlesen...

Nimmt man das statistische Mittel, dann leben Menschen mit Morbus Alzheimer noch etwa sieben Jahre. Davon etwa die Hälfte der Zeit in noch halbwegs selbstständiger Form. Aber das ist Statistik und sagt nichts über den Einzelfall aus. Es kann auch alles viel schneller gehen, oder sehr viel langsamer. Es gibt sogar Fälle, in denen sich die Symptomatik zeitweise wieder bessert.

Frühe "Entdeckung" verlängert die Erkrankung

Letztlich hängt natürlich auch viel davon ab, wann die Alzheimer-Demenz überhaupt entdeckt wird. Meist sind es ja die Ehepartner oder engsten Angehörigen, die zuerst merken, dass etwas nicht stimmt. Und die merken es mal früher, mal später. Wenn es dann soweit ist, ist der Betroffene längst nicht immer bereit, deshalb zum Arzt zu gehen oder sich gar einem Test zu unterziehen. So vergehen nicht selten Monate bis Jahre zwischen den ersten Anzeichen bis zur endgültigen Diagnose Alzheimer.

Allerdings wollen wir Sie mit diesen Worten auch nicht auffordern, wegen jeder kleinsten Gedächtnisschwäche sofort den Arzt aufzusuchen oder Ihren Ehepartner dahin zu jagen. Denn zum einen ist längst nicht jede Erinnerungslücke im Alter gleich eine Demenz. Im Gegenteil, ein leichter Abbau des Kurzzeitgedächtnisses ist in höherem Lebensalter völlig normal. Zum anderen ist eine frühe Diagnosestellung bei der Alzheimer-Demenz auch von fraglichem Wert. Aufhalten kann man die Erkrankung nur bedingt, auch wenn man davon weiß. Man könnte also sogar zu dem Schluss kommen, dass eine frühe Diagnose nur die Leidenszeit verlängert. Denn sobald man von der Erkrankung weiß, ist alles ja viel unheilvoller als bei der zuvor "nur" unklaren Schusseligkeit.

Sich vorbereiten, aber auch noch schöne Dinge zu tun

Eines jedenfalls steht fest: Handelt es sich wirklich um eine Alzheimer-Demenz, wird irgendwann eine Situation eintreten, in der der Betroffene praktisch nichts mehr selbst machen kann. Und niemanden mehr erkennt. Das ist furchtbar, vor allem für die Ehepartner und Angehörigen. Aber es passiert nicht über Nacht, man hat also zumindest etwas Zeit, sich darauf einzustellen. Und das ist auch der beste Tipp, den man geben kann. Einerseits die verbleibende Zeit der Selbstständigkeit noch bestmöglich zu nutzen. Also Dinge zu tun, die schön sind (was vor allem heißt, dass der Betreffende sie schön findet). Und andererseits ein paar Vorkehrungen für die Zeit zu treffen, in der das nicht mehr möglich ist. Dazu zählt neben der seelischen Vorbereitung auch, sich um die Pflege Gedanken zu machen.

Das ist alles sehr schwer, vor allem emotional, weil man einen geliebten Menschen dann irgendwann in einem Zustand erleben muss, in dem ein Austausch kaum noch möglich ist. Und weil man über die Jahre zuvor mit diesem schleichenden Abbau zurechtkommen muss, der ja nur selten von Verbesserungen oder zumindest stabilen Phasen unterbrochen wird. Aber zumindest kann man sich damit trösten, dass der Betreffende nicht unbedingt leidet. Man weiß es nicht so genau, aber es ist vermutlich so, dass der zunehmende Dämmerzustand, so furchtbar er einerseits ist, den Betroffenen ein Stück weit auch davor schützt, unter dem eigenen geistigen Abbau zu leiden. Das ist nur ein kleiner Trost, aber immerhin.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Anzeigen