Alzheimer: Welche Ursachen und Risiken gibt es?

Der Morbus Alzheimer ist eine Gehirnerkrankung, bei der es zur Vernichtung von Nervengewebe kommt. Das geht mit einem Gedächtnisverlust einher, der stetig fortschreitet. Die genauen Ursachen sind noch unklar. Es scheint aber sowohl Risiko- als auch schützende Faktoren zu geben.

Alzheimer, die häufigste Form der Demenz

Der Begriff Demenz stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und leitet sich von "de-mens" her. Das bedeutet so viel wie abnehmender Verstand. Allerdings gibt es – medizinisch gesprochen – nicht nur eine Demenzform, sondern viele. Demenz ist also ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die alle in der einen oder anderen Form mit abnehmenden kognitiven Fähigkeiten zu tun haben. In mehr als der Hälfte aller Fälle von Demenz liegt die Alzheimer-Demenz vor.

Alzheimer ist eine Erkrankung des Alters. Der heutige Lebensstandard und die medizinischen Möglichkeiten bedeuten auf der einen Seite einen Segen, bringen aber zugleich Probleme und Krankheiten mit sich, die vor einigen Jahrzehnten noch kaum eine Rolle gespielt haben. Die meisten Menschen mit Alzheimer sind Senioren, die überwiegende Zahl ist sogar älter als 80 Jahre. Sehr selten sind Fälle bei Menschen in ihren 50ern.

Nervenzellen gehen zugrunde, aber warum?

Was genau die Alzheimer-Demenz verursacht, ist noch unklar. Man weiß aber, dass sie im Ergebnis zur Vernichtung von Nervengewebe im Gehirn führt. Auch schränkt die Krankheit die Kommunikation zwischen noch arbeitsfähigen Zellen ein. Diese Prozesse lassen sich nach wie vor nicht aufhalten.

Zurzeit werden verschiedene mögliche Ursachen für Alzheimer diskutiert. Denkbar sind Veränderungen in der Struktur der Lipide an der Zellmembran der Neuronen. Durch oxidativen Zellstress werden die mehrfach ungesättigten Fettsäuren an der Zellmembran in Mitleidenschaft gezogen.

Übrigens können die wichtigen Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in fettigem Fisch und Fischölprodukten enthalten sind, hier vorbeugend wirken. Sie zählen ebenfalls zu den Lipiden und werden als Bausubstanz für die Zellmembran gebraucht.

Auch das sogenannte Homocystein, das als Zwischenprodukt beim Stoffwechsel entsteht, könnte eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Demenz spielen. In zu großer Konzentration führt es zu Arteriosklerose und Gefäßschäden. Außerdem schädigt es die Neuronen. Als vorbeugender Ansatz sind hier die Vitamine der B-Gruppe in Erwägung zu ziehen.

Alzheimer kommt nicht aus dem Nichts

Während die Wissenschaftler bei den Ursachen noch weitgehend im Dunkeln tappen, scheinen manche äußeren Einflüsse eindeutig schädlich bzw. förderlich zu sein.

Zu den Faktoren, die die Gefahr erhöhen, an Alzheimer zu erkranken, gehören:

  • soziale Isolation: Wer wenig Kontakt zu anderen Menschen hat, vor allem im Alter, zeigt mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Form von Demenz. Dies hat seinen Grund darin, dass bei wenig zwischenmenschlicher Interaktion und Kommunikation die Gehirnzellen nicht mehr ausreichend trainiert werden, ganz ähnlich einem Muskel, der zu wenig beansprucht wird. Die Tendenz, sich im Alter zurückzuziehen, geht nicht nur oft auf den Verlust von Freunden und Angehörigen und auf eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit zurück, sondern hat seine Ursache nicht selten auch in einer nicht therapierten Schwerhörigkeit.
  • Bewegungsmangel: Wenn ältere Menschen sich wenig bewegen, leiden auch oft die kognitiven Fähigkeiten. Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Aktivität.
  • Depression: Auch eine Depression kann eine Demenz nach sich ziehen, vor allem, wenn sie nicht konsequent therapiert wird.
  • Rauchen: Tabakkonsum hat sich inzwischen als Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten herausgestellt; auch die Demenz gehört dazu.
  • Ernährung: Wer wenig frisches Obst und Gemüse verzehrt, ist anfällig für viele Krankheiten, auch für eine Demenz. Dabei ist Alkohol ein interessanter Fall. Es hat sich herausgestellt, dass der Konsum von viel Alkohol ein gravierender Risikofaktor von Demenz ist, aber auch die völlige Abstinenz wirkt sich hier offenbar eher ungünstig aus. Das Beste gegen Alzheimer scheint ein moderater Konsum von Alkohol zu sein, z.B. ein Glas Wein am Tag.
  • Mangel an Omega-3-Fettsäuren: Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren kann ebenfalls ein Risikofaktor für die Entstehung von Alzheimer sein. Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren hat sich als effektiv zur Vorbeugung von Alzheimer herausgestellt.

All diese Einflüsse lassen zwar noch keine allgemeinen Empfehlungen für Präventionsmaßnahmen zu. Das heißt, noch ist der direkte Zusammenhang zum Ausbruch bzw. Schutz vor einer Alzheimer-Erkrankung nicht erwiesen. Dennoch lohnt es sich, auf manche Dinge zu achten und vielleicht die eine oder andere Lebensgewohnheit zu überdenken.

Denn das gute an vielen dieser Risikofaktoren ist, dass sie beeinflussbar sind. Und je früher Sie gegensteuern, umso weniger hat die Demenz später eine Chance. Denn man geht davon aus, dass die Grundlagen für die Erkrankung bereits im mittleren Lebensalter gelegt werden.

Was das Herz schützt, ist auch gut fürs Gehirn

Allen voran gehen sämtliche Faktoren, die auch das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen bergen. Zu den üblichen Verdächtigen zählen hier das Rauchen, Übergewicht, ein erhöhter Blutdruck und hohe Blutfette sowie der Diabetes mellitus. Entsprechende Gegenmaßnahmen und eine frühzeitige Behandlung werden in den Leitlinien explizit zur Vorsorge einer Demenz nahegelegt.

Bei der Ernährung sind die Empfehlungen noch zurückhaltender. Der Stellenwert bestimmter Ernährungsgewohnheiten, wie z.B. eine ausgewogene mediterrane Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und Fisch, wird jedoch durchaus gesehen. Es lohnt sich also auch hier, diese Ratschläge zu beherzigen. Noch dazu kommt das Ihrer Gesundheit ganz allgemein und Ihrem Wohlbefinden zugute.

Autoren: Fedor Singer, Eva Bauer (Ärztin)

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