Erhöht Rauchen das Risiko für eine Demenz?

DemenzJa. Zumindest für eine bestimmte Form der Demenz, die durch verkalkte Blutgefäße im Gehirn verursacht wird.Zu diesem Ergebnis kam vor einigen Jahren eine große Studie der Erasmus-Universität in Rotterdam, in der 7.000 Personen im Alter über 55 Jahre längere Zeit beobachtet worden waren.

Die sogenannte vaskuläre Demenz (vas = Blutgefäß) hat zwar ursächlich nichts mit Alzheimer zu tun, ist aber ebenfalls sehr häufig und äußert sich letztlich auch genauso wie die Alzheimer-Demenz. Ursachen sind hier aber eher die klassischen Risikofaktoren, die auch zu Arteriosklerose, Schlaganfall und Herzinfarkt führen.

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Also zum Beispiel Bluthochdruck, hohe Blutfette und eben auch Rauchen. Dabei ist das Rauchen für das Gehirn nicht nur wegen der Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen gefährlich, sondern auch wegen spezieller Stoffwechseleffekte des Nikotins, die zu "oxidativem Stress" führen (zu viele giftige Stoffwechselzwischenprodukte) und das Gehirn auch direkt schädigen können.

Studiendaten zu Alzheimer von Zigarettenindustrie beeinflusst?

Aber auch das Alzheimer-Risiko ist bei Rauchern offenbar erhöht. Lange Zeit ging man vom Gegenteil aus, nämlich dass Nikotin vor Alzheimer schützt. Doch eine Studie der University of California in San Francisco hat unlängst eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: All jene Studien, die einen positiven Effekt des Rauchens nachgewiesen hatten, waren finanziell von Zigarettenherstellern unterstützt worden. In einer zusammenfassenden Analyse aller 43 Studien zu diesem Thema konnte bei jeder vierten Studie eine finanzielle Verbindung zur Tabakindustrie aufgezeigt werden. Nahm man diese Untersuchungen aus der Analyse heraus, ergaben die übrigen rund 30 Studien ein fast doppelt so hohes Alzheimer-Risiko bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern. Offenbar fördert das Nikotin im Gehirn die Ablagerung der Eiweißklumpen, die die Alzheimer-Demenz verursachen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn
Quelle: Journal of Alzheimer's Disease 2010

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