Wie äußert sich eine Demenz häufig zu Beginn?

Demenz und Morbus AlzheimerDie ersten Anzeichen einer Demenz beginnen oft so schleichend, dass sie selbst von den engsten Angehörigen über lange Zeit nicht bemerkt werden. Oder sie werden bemerkt, aber nicht als das erkannt, was sie sind.

Diese Fehleinschätzungen hängen auch damit zusammen, dass es nicht unbedingt immer Gedächtnisstörungen sind, die am Anfang besonders auffallen. Häufig ist ein erstes Anzeichen eher eine gewisse Kraft- und Energielosigkeit.

Die Betroffenen haben immer weniger Interesse an neuen Dingen, werden antriebsarm und ziehen sich zunehmend zurück.

Demenz ist mehr als eine Gedächtnisstörung

Die Diagnose Demenz umfasst einen ganzen Symptomkomplex, der auch als Demenz-Syndrom bezeichnet wird. Neben klassischen kognitiven Störungen im Bereich von Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Sprache und Urteilsvermögen sind nicht-kognitive Auffälligkeiten ebenfalls kennzeichnend für eine Demenz und können manchmal erste Vorboten sein.

Dazu gehören etwa Verhaltensauffälligkeiten, Veränderungen im emotionalen Bereich oder der Motivation. Häufig werden Betroffene zunehmend apathisch und antriebslos. Ein typisches Anzeichen ist auch eine leichte Verwirrtheit. "Der zerstreute Professor"... Dinge und Erledigungen des Alltags werden durcheinander gebracht, gerade begonnene Arbeiten oder auch Sätze plötzlich wieder unterbrochen.

Der Schein kann trügen

Kleine Ausrutscher und Irritationen im Alltag fallen nicht selten zunächst den Angehörigen und Mitmenschen auf. Die Betroffenen selbst bemerken sie zwar womöglich auch, können sie aber schlecht einordnen und versuchen, sie zu kaschieren. Gerade erste Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses sind den Betroffenen oft peinlich, ohne dass sie eigentlich genau wissen, worum es sich handelt. Nach außen hin versuchen sie, sich nichts anmerken zu lassen.

Viele Menschen mit beginnender Demenz können auf diese Weise einige Zeit lang erstaunlich gut den Schein wahren und eine "normale" Fassade aufrechterhalten.

Schleichender Beginn beim Morbus Alzheimer

Wie eine Demenz beginnt, hängt auch immer von der jeweiligen Erkrankung ab. Es gibt unterschiedliche Formen wie z.B. die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre Demenz oder Demenzen infolge anderer Erkrankungen. Sie unterscheiden sich zum Teil hinsichtlich der Symptomatik. Charakteristisch für Alzheimer ist ein höheres Lebensalter sowie eine schleichende Entwicklung über mehrere Jahre. Im Vordergrund stehen dabei Gedächtnisstörungen, wobei vielfältige Beschwerden hinzukommen können.

Eine vaskuläre Demenz beruht auf einer Durchblutungsstörung und kann sich je nach genauer Ursache auch recht schnell entwickeln, z.B. nach einem oder mehreren Schlaganfällen.

Demenz bei Parkinson und Pick-Krankheit

Andere Formen von Demenz kommen u.a. im Rahmen des Morbus Parkinson vor. Die Beschwerden sind dabei nicht charakteristisch. Typisch sind aber zusätzliche Symptome der Grunderkrankung wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifigkeit und Zittern.

Recht charakteristisch ist dagegen die Demenz bei der sogenannten Pick-Krankheit. Diese neurodegenerative Erkrankung betrifft eher jüngere Menschen im mittleren Lebensalter. Hier fallen zunächst eine veränderte Persönlichkeit und mangelnde soziale Fähigkeiten auf, was den Umgang mit den Betroffenen oft sehr schwer macht. So können sie beispielsweise schnell aufbrausend und impulsiv sein. Oder sie verhalten sich sozial unangemessen und verlieren die üblichen Umgangsformen. Auch das Interesse an Mitmenschen und die Empathiefähigkeit können nachlassen.

Keine leichte Aufgabe für Angehörige

Unsere 10 wichtigsten Tipps für die Angehörigen

weiterlesen...

Wenn Sie bei Ihren Angehörigen derartige Anzeichen bemerken, ist es natürlich nicht einfach, dies anzusprechen. Aber vielleicht können Sie sie zu einem "Routine-Check-up" beim Arzt überreden. Und den Arzt bitten, darauf zu achten.

Denn eine frühzeitige Diagnostik und Behandlung kann den Verlauf erheblich verbessern. Gerade im Frühstadium lässt sich die Erkrankung durch die heutigen therapeutischen und präventiven Maßnahmen beeinflussen und so eine zukünftige Pflegebedürftigkeit verzögern.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Anzeigen