Geschwister oder Leidensgenossen: Depressionen und Alzheimer

Menschen, die unter Depressionen leiden, bekommen auch häufiger eine Alzheimer-Demenz. Das ist das Ergebnis zweier aktueller Studien. Unklar ist allerdings, wer die Henne und wer das Ei ist. Oder ob nicht sogar beide Erkrankungen das Ei sind, sprich die gleiche Ursache haben.

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Mehr als doppelt so oft Alzheimer mit einer Depression in der Vorgeschichte

Zunächst einmal zu den Zahlen: Personen, die irgendwann in ihrem Leben an einer Depression erkrankt waren, haben ein 2,5mal höheres Alzheimer-Risiko als Menschen ohne Depressionen. Trat die Depression vor dem 60. Lebensjahr auf, ist das Alzheimer-Risiko sogar vervierfacht. Das haben Wissenschafter der niederländischen Erasmus-Universität ermittelt. Eine US-amerikanische Studie mit 900 freiwilligen katholischen Geistlichen kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Unklar ist bislang aber, ob Depressionen eine Alzheimer-Erkrankung auslösen, oder ob beide Krankheiten eine gemeinsame Ursache haben. Dabei muss man sich auch vor Augen führen, dass eine Alzheimer-Demenz bei Menschen mit früheren Depressionen zwar häufiger auftritt – aber eben auch längst nicht immer.

Gemeinsame Ursache von Depressionen und Alzheimer?

Die niederländischen Wissenschaftler werfen eine Therorie ins Feld, nach der eine Depression zum Zelluntergang in bestimmten Bereichen des Gehirns führt. Vom Hippokampus und der Amygdala ist die Rede, beides Strukturen in den Tiefen unseres Gehirns. Bei Größenuntersuchungen dieser Areale konnte bisher aber kein Unterschied zwischen Menschen mit Depressionen und psychisch Gesunden nachgewiesen werden. Die Theorie ist also bis auf weiteres wirklich nur eine Theorie.

Die amerikanischen Wissenschaftler sind in ihrem Erklärungsansatz noch kryptischer: Eine Depression sei Folge charakteristischer Veränderungen im Gehirn, die wiederum die Reservekapazitäten der dort ansässigen Nervenzellen beeinträchtigen.

Man hätte auch einfach mal sagen können: "Wir wissen nicht, warum das so ist." Aber das fällt Medizinern offenkundig schwer.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn, 21.07.08
Quelle: Neurology, Archives of General Psychiatry

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Depression finden Sie unter Navigator-Medizin.de/Depression

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