Krebsmedikament gegen Alzheimer?

So traurig es ist: Gegen Alzheimer gibt es bisher keine Behandlung, die die Krankheit heilen kann. Es gibt lediglich Medikamente, die die Symptome – vor allem die mit dem Verfall des Gehirns verbundenen Verhaltensstörungen – abmildern können. Doch nun könnte ein ursprünglich zur Behandlung von Krebs entwickeltes Medikament Alzheimer an der Wurzel packen. Allerdings: Bisher funktioniert das nur in Versuchen.

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Lymphom-Medikament beseitigt Alzheimer-Plaques

Alzheimer entsteht, weil sich im Gehirn bestimmte Gifte ablagern und zusammenballen. Die daraus entstehenden Plaques behindern die Signalübertragung im Gehirn und töten Nervenzellen ab. Warum sich diese Gifte ansammeln? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein bestimmtes Protein – Apolipoprotein E (ApoE) –, das für den Abbau der giftigen Stoffe verantwortlich ist, versagt.

Gary Landreth von der Case Western Reserve University in Cleveland/Ohio hat nun die Entdeckung gemacht, dass der Wirkstoff Bexaroten, der zur Behandlung des T-Zell-Lymphoms zugelassen ist (das T-Zell-Lymphom ist eine spezielle Form von Blutkrebs), anscheinend ApoE auf die Sprünge helfen kann. Zumindest funktionierte das bei Mäusen. Schon sechs Stunden nach der ersten Einnahme sank die Konzentration von Beta-Amyloiden – so werden die giftigen Stoffe genannt, die sich bei Alzheimer im Gehirn ansammeln – um 25%. Dieser Effekt hielt drei Tage vor, was Landreth als “beeindruckend” bewertet. Nach 72 Stunden lag die Abnahme der Plaques bei 75%.

Starke Nebenwirkungen und fehlende Tests

Die Besserung ließ sich am Verhalten der Mäuse ablesen. Sie nahmen Tätigkeiten wieder auf, die sie im Laufe der Erkrankung eingestellt hatten. Auch schien sich die Gehirntätigkeit insgesamt wiederzubeleben.

Allerdings warnt Landreth davor, diese Ergebnisse überzubewerten. Denn zum einen sei die Wirksamkeit beim Menschen noch nicht ausreichend erforscht. Gerade wird es an 117 Patienten getestet. Und zum anderen gehen mit dem Mittel erhebliche Nebenwirkungen einher, die die Verträglichkeit extrem einschränken.

WANC 14.02.2012
Quelle: Science DOI: 10.1126/science.1217697

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