Alzheimer: Großer Kopf – kleineres Risiko?

Wer einen größerem Kopfumfang besitzt, scheint besser gegen ein Fortschreiten der Alzheimer-Demenz geschützt zu sein. Das hat eine Studie in der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München ergeben. Der Grund: Ein großer Kopf beheimatet meist ein größeres Gehirn. Das behaupten zumindest die Autoren.

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Großer Kopf = Großes Gehirn = Mehr Reserven?

In der Studie wurde bei 270 Menschen mit Alzheimer-Demenz der Kopfumfang gemessen. Diese Daten wurden dann mit den Denkleistungen der Patienten verglichen. Das Ergebnis: Mit jedem zusätzlichen Zentimeter an Kopfumfang waren die Denk- und Erinnerungsfähigkeiten im Schnitt um 6% besser, auch wenn die gleiche Menge an Gehirnzellen durch die Demenz zerstört worden war.

Die Studienautoren erklären das damit, dass ein großes Gehirn mehr Reserven hat, einen Verlust von Gehirnzellen durch eine Demenz auszugleichen. Ihr Fazit: Ein großer Kopfumfang und damit eine größere Gehirnmasse können das Risiko für eine Alzheimer-Demenz verringern und deren Fortschreiten verlangsamen.

Anmerkung der Redaktion

Das klingt zunächst alles sehr plausibel, hat aber aus unserer Sicht bei näherem Hinsehen ein paar Fußangeln. Erstens: Über das Risiko, überhaupt Alzheimer zu bekommen, sagt die Studie nichts aus, denn es wurden ja nur solche Menschen beobachtet, die schon an einer Alzheimer-Demenz leiden.

Zweitens: Vom Kopfumfang auf die Denkleistungen zu schließen, halten wir für gewagt. Wir alle haben schon Menschen gesehen, die einen sehr goßen Kopf haben, aber nicht sehr schlau sind (die sogenannten "Quadratschädel"). Außerdem gibt es bezüglich Kopfumfang auch durchaus regionale Unterschiede, was angesichts der genetischen Komponente der gesamten Körperstatur auch nicht überraschend ist.

Und hier kommt dann der entscheidende Einwand: Man darf davon ausgehen, dass in der Münchner Klinik vorwiegend Alzheimer-Patienten aus der Region behandelt wurden. Für die gilt möglicherweise, dass größere Köpfe im Schnitt auch ein größeres Gehirn bedeuten. Denn man vergleicht dann ja nur diese Gruppe untereinander. Im Vergleich mit anderen Regionen und damit anderen genetischen Grundmustern kann man diesen Schluss aber nicht ziehen. Denn unterschiedliche Völker haben oft auch unterschiedliche Kopfumfänge, ohne dass daraus auf deren Denkfähigkeiten geschlossen werden kann.

Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 14.07.10
Quelle: Neurology

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