Erhöhtes Demenz-Risiko: die Homocystein-Lüge

Das Stoffwechselzwischenprodukt Homocystein erhöht die Gefahr, eine Demenz zu entwickeln. Das vermeldet das "Deutsche Grüne Kreuz" aus Marburg und hat auch gleich ein Gegenmittel parat. Vitaminpillen. Nicht irgendwelche, sondern ein ganz bestimmtes Präparat.

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Offzielle Empfehlung in Wirklichkeit Pharmawerbung?

Das nach Gemeinnützigkeit klingende "Deutsche Grüne Kreuz" (DGK) bemüht sich seit geraumer Zeit, die Gefahr eines erhöhten Homocystein-Wertes im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Dieses Stoffwechselprodukt, das beim Abbau der Aminosäure Methionin entsteht und normalerweise vom Körper rasch weiterverarbeitet wird, wird vom DGK in sich wiederholenden Publikationen und Presseveranstaltungen für das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht – und nun auch für Demenz. Und immer münden die Verlautbarungen des Marburger Vereins in der gleichen Empfehlung: in der Einnahme eines bestimmten Vitamin-Mix-Präparates.

Gefahr bewusst hochgejazzt

Dass Homocystein schädlich ist, ist übrigens unstrittig. Und auch ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und Demenz ist tatsächlich in Studien nachgewiesen worden. Aber eben nur dann, wenn diese Substanz in zu großer Menge im Blut vorhanden ist. Das ist aber nur höchst selten der Fall, auch wenn in den Meldungen des Deutschen Grünen Kreuzes immer der Eindruck vermittelt wird, jeder Zweite hätte zuviel Homocystein im Blut.

Und wenn tatsächlich mal der Homocystein-Spiegel zu hoch sein sollte (unser Körper hat in den Jahrmillionen der Evolution recht gut gelernt, giftige Stoffwechselzwischenprodukte sofort zu eliminieren), dann liegt es an der Ernährung. Bei einem ausgeprägten Vitaminmangel kann es in der Tat passieren, dass sich zu viel Homocystein im Blut ansammelt. Denn vor allem die Vitamine B6 und B12 sowie Folsäure sind dafür verantwortlich, Homocystein sofort nach seiner Entstehung weiter zu verstoffwechseln.

Salat, Gemüse und Obst statt Vitaminpillen

Wenn also tatsächlich mal ein Zuviel an Homocystein vorliegen sollte, braucht es keine Vitaminpillen, sondern eine vitaminreichere Ernährung. Die Aussage des DGK, dass das meist nicht gelänge und deshalb die dauerhafte Einnahme von Vitaminpillen (und zwar ganz bestimmte eines ganz bestimmten Herstellers) notwendig seien, ist haltlos. Darauf hat unlängst auch der unabhängige aid-Informationsdienst "Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V." hingewiesen. Demnach ist eine Ernährung mit reichlich Salat, Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Obst und Vollkornprodukten das beste Gegenmittel. Und diese Zutaten auf dem Speiseplan empfehlen sich ja ohnehin.

Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 21.01.08

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Kommentare (1)
Homozystein
1 Montag, den 18. März 2019 um 20:10 Uhr
Wolfgang
Obst und Gemüse reichen bei sehr hohen Homozysteinwerten nicht aus. MTHFR Mutationen sind sehr häufig und der Grund für hohe Homozysteinwerte. Das ist eine Folsäure-Verwertungsstörung, die auch das B 12 beeinflusst. Warum ignorieren die Ärzte das ?
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