Demenz: Vor allem in ländlichen, strukturschwachen Regionen ein Problem

Die Zahl der Demenzkranken steigt unaufhaltsam. In den nächsten 30 Jahren wird sie sich verdoppeln. Dieser Entwicklung steht unser Gesundheitssystem relativ hilflos gegenüber. Denn es mangelt an qualifizierten Pflegekräften und demenzgerechten Pflegeeinrichtungen. Der aktuelle Demenz-Report zeigt nun auch auf, in welchen Regionen mit der größten Zunahme gerechnet werden muss.

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Östliche Randbezirke besonders betroffen

Eine solche regionale Betrachtung ist angesichts des zunehmenden Notstands in der Versorgung Demenzkranker von entscheidender Bedeutung. Denn es ermöglicht, in den besonders betroffenen Städten und Kommunen frühzeitig Vorkehrungen treffen zu können.

Dass es bei der Häufigkeit von Demenz überhaupt regionale Unterschiede gibt, hängt mit der Altersstruktur der Bevölkerung zuammen. So haben Österreich und die Schweiz zum Beispiel etwas weniger Demenz-Kranke (gerechnet je 100.000 Einwohner), weil es hier noch höhere Zuwanderungsraten junger Menschen gibt als in Deutschland. In Deutschland wiederum sind vor allem Regionen von einer hohen Demenz-Häufigkeit betroffen, in denen viele junge Menschen abwandern, also eine "Überalterung" der Gesellschaft stattfindet. Das ist vor allem in den östlichen Bundsländern der Fall, und hier inbesondere in den strukturschwachen und ländlichen Gebieten: Mecklenburg-Vorpommern, das Grenzgebiet zu Tschechien und Randgebiete Brandenburgs, Sachsens und Sachsen-Anhalts.

Enorme Herausforderung für uns alle

Das Problem für solche "Abwanderungsgebiete" ist nicht nur der relativ steigende Anteil alter Menschen und damit Demenz-Gefährdeter. Das Problem ist auch, dass es auf der anderen Seite an jungen Menschen fehlt. Denn die braucht es für eine gute regionale Konjunktur, damit für eine gute wirtschaftliche Situation und damit für die Mittel, die Pflegeeinrichtungen auszubauen. Und an Pflegeplätzen und vor allem am benötigten Personal mangelt es schon heute – auch in den vergleichsweise weniger betroffenen Regionen rund um größere Städte.

Das alles, so das Fazit des Reports, ist eine enorme Herausforderung für unsere Sozialpolitiker, aber auch für unsere Gesellschaft insgesamt. Denn eines steht fest: Die Zunahme der Demenz-Fälle ist auf absehbare Zeit nicht aufzuhalten.


Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 23.02.11
Quelle: Demenz Report

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