Helfen Sport und Bewegung bei Darmkrebs?

Ein klares Ja! Sport ist nicht nur insgesamt gesund und tut uns gut, sondern schützt auch ganz konkret vor zahlreichen Erkrankungen, u.a. auch Krebs. Wahrscheinlich wirkt sich körperliche Aktivität sogar positiv auf den Verlauf einer bestehenden Tumorerkrankung aus.

Dass Sport wichtig ist und zu Gesundheit und Wohlbefinden beiträgt, ist gemeinhin bekannt. Recht neu sind allerdings die Erkenntnisse, dass Bewegung auch gezielt bei Krebserkrankungen hilft und womöglich sogar das Tumorwachstum aufhalten könnte. Gerade beim Darmkrebs gibt es Belege für das enorme Potential, das in so einfachen Maßnahmen wie regelmäßigem Laufen, Schwimmen oder Radfahren steckt.

Wer aktiv ist, erkrankt seltener

Schon lange gilt körperliche Aktivität als Schutzfaktor vor Darmkrebs. Die aktuellen Leitlinien empfehlen sie daher ausdrücklich.

Sport wirkt nachweislich vorbeugend in der sogenannten Primärprävention, d.h. noch bevor überhaupt Darmkrebs aufgetreten ist. Studien zeigten klar, dass aktive Personen weniger Polypen bzw. Adenome, die Vorstufe eines bösartigen Tumors im Darm, ausbilden. Damit sinkt auch das Risiko für Darmkrebs, und zwar um sage und schreibe bis zu 30%.

Unsere 10 wichtigsten Tipps bei Darmkrebs

weiterlesen...

Dabei muss es nicht einmal gleich der Marathonlauf sein; eine halbe Stunde bis Stunde leichte körperliche Belastung täglich reichen aus, um das Risiko ganz aus eigener Kraft erheblich zu senken.

Aber auch nach einer abgeschlossenen Behandlung sorgt regelmäßige Bewegung dafür, dass der Krebs seltener erneut ausbricht (Rezidiv), und senkt damit die Mortalität, d.h. die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig am Darmkrebs zu sterben. Hier machen sich schon drei aktive Stunden pro Woche bemerkbar. Je mehr, umso größer und deutlicher werden die Effekte. Daher empfehlen die Leitlinien Sport auch als sogenannte Tertiärprävention nach der Tumortherapie.

Ein fitter Körper kann sich besser verteidigen

Die Frage ist, wie ein bisschen Training derart erstaunliche Wirkungen haben kann. Forscher sind diesem Phänomen momentan auf der Spur.

Ein wichtiger Aspekt ist vermutlich der antientzündliche Effekt. Wer sich viel bewegt, verbrennt Fett und reduziert damit seine Fettmasse insgesamt. Fettsäuren wiederum sind im Übermaß verantwortlich für Entzündungsvorgänge im Körper. Darüber hinaus stärkt Sport das Abwehrsystem. Wer aktiv ist, am besten noch in Verbindung mit frischer Luft, wird es merken: Er wird weniger anfällig und erkrankt seltener.

Diese Mechanismen könnten dazu beitragen, Entzündungen im Körper einzudämmen, die für viele Schäden und Folgeerkrankungen verantwortlich gemacht werden.

Weniger Nebenwirkungen, mehr Lebensqualität

Aber nicht nur das. Intensiveres Training könnte auch dazu beitragen, den Körper im Kampf gegen den Krebs gezielt zu unterstützen. Es gibt nämlich Abwehrzellen mit dem passenden Namen "natürliche Killerzellen", die die Krebszellen aufspüren und vernichten können. Und diese Abwehrzellen konnten zumindest in tierexperimentellen Studien vermehrt beobachtet werden.

Darüber hinaus hilft es auch bei zahlreichen Nebenwirkungen, die unter der Krebsbehandlung auftreten können, den Körper fit zu halten. Und nicht zuletzt zahlt es sich bei der Lebensqualität und dem allgemeinen Wohlbefinden aus. Denn Sport bringt die Glückshormone in Schwung und kann je nach Sportart außerdem sehr gesellig sein und großen Spaß machen.

Schonung meist nicht angesagt

Während man früher zurückhaltender war, gibt es heute für Krebskranke grundsätzlich kaum Einschränkungen, was die körperliche Belastung anbelangt. Die Empfehlungen sind gleich wie bei gesunden Menschen auch.

Natürlich gibt es Situationen, in denen die Leistungsfähigkeit tumor- oder behandlungsbedingt eingeschränkt ist und man sich nicht überlasten sollte. Das kann unmittelbar während einer anstrengenden Therapie sein oder auch infolge schwerer Nebenwirkungen wie etwa Veränderungen des Blutbildes.

Daher sollten Sie Ihr Sportprogramm stets mit dem Arzt absprechen und es gemeinsam mit ihm auf Ihr individuelles Befinden abstimmen. Wie Sie Ihren Körper in Gang bringen, ist weitgehend Ihnen überlassen, wenn nichts Konkretes gegen eine bestimmte Sportart spricht. Wichtig ist vor allem auch die Freude dabei. Nur so können Sie sich dauerhaft motivieren und bleiben am Ball.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Anzeigen