Lungenmetastasen bei Darmkrebs: Welche Behandlung ist sinnvoll?

Ähnlich wie bei Lebermetastasen richtet sich eine sinnvolle Behandlungsstrategie nach dem Ausmaß der Erkrankung und danach, wie groß die Teile der Lunge sind, die bereits betroffen sind. Ist die Metastasierung nicht besonders ausgedehnt, ist unter Umständen eine chirurgische Entfernung der Lungenmetastasen möglich.

Dafür müssen vor allem drei Kriterien erfüllt sein, um sicherzustellen, dass die Funktion der Lunge nach der Operation noch ausreichend ist:

Erstens: Ist das Lungenvolumen groß genug?

Wichtig für die Funktion der Lunge ist, wie groß das Luftvolumen ist, das pro Atemzug ein- und ausgeatmet werden kann. Vor einer Operation muss also überprüft werden, ob auch nach der Entfernung eines Teils der Lunge noch ein ausreichendes Volumen an Luft ein- und ausgeatmet werden kann.

Dafür wird vor der Planung einer solchen Operation ein Lungenfunktionstest durchgeführt. Daran lässt sich dann abschätzen, ob die Lungenfunktion auch anschließend noch ausreichend sein wird.

Zweitens: Ist die Lunge vorgeschädigt?

Liegt schon zuvor eine Erkrankung der Lunge vor, ist die "Reserve" vermindert, die ihr zur Verfügung steht, um einen teilweisen Verlust von Lungengewebe durch die Operation zu kompensieren. Deshalb werden unter Umständen weitere Zusatzuntersuchungen nötig, mit denen der Gasaustausch, die Durchblutung und Belüftung der Lunge genauer beurteilt werden können. Sind diese Werte wegen einer Lungenerkrankung schon vorher sehr schlecht, ist eine Operation unter Umständen unmöglich, da sonst ein Lungenversagen droht.

Drittens: Können die Metastasen sicher entfernt werden?

Zuletzt muss der Operateur davon überzeugt sein, dass er die Metastasen "im Gesunden" entfernen kann. Das heißt, er muss so operieren können, dass die Metastasen komplett mit einem gewissen Sicherheitsabstand entfernt werden können. Denn das Risiko einer solchen Operation sollte man nicht in Kauf nehmen, wenn der Tumor danach nicht komplett entfernt ist.

Wenn eine Operation nicht möglich ist

Wenn Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnose ausgedehnt sind, werden sie als "primär nicht-resektabel" eingestuft. Dann bietet sich jedoch eventuell die Möglichkeit, sie mit Hilfe einer Chemotherapie zunächst zu verkleinern.

Gelingt dies, so kann im nächsten Schritt erwogen werden, ob nun die oben genannten Kriterien eingehalten werden können und eine operative Entfernung der Metastasen möglich ist.

Das palliative Behandlungskonzept

Die beschriebenen Behandlungsverfahren können jedoch nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen durchgeführt werden. Bei einem Großteil ist die Krebserkrankung daher leider nicht mehr heilbar, wenn bereits Lungenmetastasen aufgetreten sind. Dann gilt es, die Beschwerden, die durch den Tumor und seine Metastasen entstehen, zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Wichtig hierbei ist vor allem, welche Wünsche der Betroffene äußert. Denn eine Chemotherapie und Bestrahlung können zwar die Ausbreitung der Metastasen verzögern, haben jedoch selbst zum Teil starke Nebenwirkungen, die von vielen als sehr belastend empfunden werden.

Deshalb ist in dieser Situation die Absprache mit den behandelnden Ärzten, welche Möglichkeiten zur Symptom- und Schmerzlinderung bestehen und welche davon überhaupt noch gewünscht sind, der Grundstein des sogenannten palliativen Behandlungskonzepts. Das Ziel dabei ist ein selbstbestimmtes und möglichst beschwerdefreies Leben mit der Krebserkrankung.

Autor: Martin Kluge

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