Inoperable Lebermetastasen bei Darmkrebs – Was nun?

Wenn Darmkrebs Metastasen in der Leber ausgebildet hat, wird von den behandelnden Ärzten heutzutage geprüft, ob die Absiedelungen des Tumors in der Leber entfernt werden können. Das Ziel dabei ist die Heilung der Darmkrebs-Erkrankung. In der Mehrzahl der Fälle ist das leider nicht immer ohne weiteres möglich.

Gründe dafür können sein, dass die Metastasen zu groß sind oder der Krebs weiträumig in der Leber gestreut hat und dadurch zu große Teile der Leber betroffen sind. In einem solchen Fall werden Metastasen als "primär nicht-resektabel" bezeichnet. Trotzdem bestehen Möglichkeiten einer Vorbehandlung, die dazu führen kann, dass anschließend eine Operation möglich wird.

Erst Chemotherapie, dann die Operation

Ergibt die diagnostische Abklärung, dass die Metastasen der Leber nicht-resektabel sind, so wird häufig zuerst angeboten, eine Chemotherapie durchzuführen. Im Fachjargon wird das "neoadjuvante Chemotherapie" genannt, sie wird also vor der Operation eingeleitet. Geheilt werden kann die Erkrankung damit zwar nicht, aber das Tumorwachstum wird verlangsamt, und in vielen Fällen kommt es sogar vorübergehend zur Verkleinerung von Tumor und Lebermetastasen.

Sprechen die Metastasen gut auf die Chemotherapie an und verkleinern sich ausreichend, kann anschließend der Versuch der Operation unternommen werden. Dann ist auch die vollständige Heilung nicht mehr ausgeschlossen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt existieren verschiedene Konzepte, wie und mit welchen Medikamenten eine neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt wird. Eine genaue Beratung der Betroffenen über die Möglichkeiten, aber auch über die Nebenwirkungen der jeweiligen Therapien ist unerlässlich und sollte am besten in einer Klinik stattfinden, die in der Behandlung von Darmkrebs viel Erfahrung hat.

Alternativ: die Metastasen aushungern

Die portalvenöse Embolisation (PVE) ist eine weitere Therapieoption für Menschen mit Darmkrebs, deren Lebermetastasen zunächst als nicht-resektabel eingestuft wurden, weil das gesunde Leberstück, das nach der Operation verbleiben würde, als zu klein eingestuft wurde.

Bei der PVE werden mit Hilfe der Computertomographie die Leber und das Stromgebiet der Pfortader (Gefäß, das die Leber mit nährstoffreichem Blut aus dem Verdauungstrakt versorgt) als Bild in Echtzeit dargestellt. Das bedeutet, der Arzt kann auf dem Bildschirm sozusagen live die Vorgänge in der Leber verfolgen. Er kann damit genau erkennen, welcher Ast der Pfortader den Teil der Leber versorgt, in dem die Metastasen sitzen.

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Anschließend wird dieses Gefäß durch die Haut hindurch angestochen und mit Hilfe von kleinen Metallspiralen oder chemischen Substanzen embolisiert, das heißt, es wird "verstopft". Da die Leber auch noch Blut aus der Leberarterie erhält, schadet diese Embolisation der Pfortader dem Organ nicht.

In den folgenden Wochen kommt es zu Umbauvorgängen in der Leber, bei denen der tumorfreie Teil der Leber wächst, während der embolisierte Teil mit den Metastasen schrumpft. Weshalb dies geschieht, ist noch nicht genau erforscht, aber man weiß, dass dieser Effekt durch die PVE ausgelöst werden kann.

Im Schnitt dauern die Umbauvorgänge 3-4 Wochen. Danach ist der gesunde Teil der Leber bei den meisten Betroffenen so weit angewachsen, dass nun eine Operation möglich ist.

Viel Fachkenntnis nötig

Die PVE ist ein verhältnismäßig neues Verfahren. Meist wird es nur an Universitätskliniken durchgeführt und erfordert eine enge Zusammenarbeit von Chirurgen, Radiologen und weiteren Fachärzten. Es ist auch nicht jeder Betroffene gleichermaßen für diesen Eingriff geeignet, sodass vorab genaue Untersuchungen notwendig sind.

Aber: In einigen Fällen bietet das Verfahren die Chance auf Heilung, die so vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen wäre.

Autor: Martin Kluge

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