Urlaub vom Tumor

Mit der Bahn? Im Flieger? Oder selbst ans Steuer? Mit welchem Verkehrsmittel Krebspatienten am besten an ihr Urlaubsziel gelangen.

Urlaub bedeutet Lebensqualität. Und diese ist gerade für Menschen, die an einer Krebserkrankung leiden, ausgesprochen wichtig. Wenn sich der Patient fit genug fühlt – und der behandelnde Arzt diese Meinung teilt –, spricht eigentlich nicht viel gegen eine Reise. Allerdings gibt es einiges zu beachten. Das beginnt bei der Wahl des geeigneten Verkehrsmittels.

Ob Krebspatienten selbst ans Steuer ihres Fahrzeugs dürfen, hängt zum einen von ihrem körperlichen Zustand ab, andererseits auch von den Medikamenten, die sie einnehmen müssen. So können Medikamente gegen Übelkeit sowie Schmerzmittel, die unter das Betäubungsmittel-Gesetz fallen, die Fahrtüchtigkeit einschränken. Hier ist der Arzt zwar verpflichtet, den Patienten darauf hinzuweisen. Nachfragen lohnt sich aber trotzdem. Denn wer aufgrund seiner Medikamente nicht selbst Auto fahren darf und einen Unfall verursacht, riskiert, dass seine Kfz-Versicherung nicht zahlt. Erlaubt ist das Fahren unter diesen Schmerzmitteln, wenn ein dazu qualifizierter Arzt die Fahrtauglichkeit ausdrücklich bescheinigt und dem Patienten einen entsprechenden „Opioid-Ausweis“ ausstellt.

Nach Operationen am Schädel, bei Tumoren oder Metastasen im Gehirn, ist die Fahrtauglichkeit ebenfalls in Zweifel gezogen.

Langes Sitzen erhöht Thrombose-Risiko

Krebspatienten haben generell ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Ursache ist entweder die Tumorerkrankung selbst, die Medikamente, die sie einnehmen müssen, oder weil es um ihren Gesundheitszustand nicht gut bestellt ist. Längere Fahrten mit dem Bus oder auf dem Beifahrersitz im Auto, mit der Bahn oder im Flieger können dadurch problematisch werden. Ob Kompressionsstrümpfe oder gerinnungshemmende Medikamente notwendig sind, um einer Thrombose vorzubeugen, kann der Arzt beurteilen.

Problematische Druckschwankungen

Bei Flugreisen gilt: Zwischen einer Operation an der Bauchhöhle oder im Brustbereich und dem Abflug sollten mindestens zwei bis sechs Wochen liegen. Da sich während des Flugs der Luftdruck im Passagierraum senkt, dehnen sich Darmgase und Körperflüssigkeiten aus. Das kann die frischen Narben belasten. Nach Eingriffen an der Brust kann Luft zwischen die beiden Schichten des Brustfells eindringen und damit auf die Lunge drücken.

Nach einer Operation am Schädel sollte man sich mindestens sechs Monate lang gedulden, bevor man eine Flugreise antritt. Hier können die Druckunterschiede beim Starten und Landen Schwellungen verursache, welche die Funktion des Gehirns -beeinträchtigen. Auch Krampfanfälle sind dann möglich.

Für Menschen mit künstlichem Darm- oder Blasenausgang gibt es spezielle Beutel, die stabiler als herkömmliche auf Druckschwankungen im Flugzeug reagieren.

Implantierbare Port-Systeme oder Stents können bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen Alarm auslösen. Auch operativ stabilisierte Knochenmetastasen entgehen den Kontrollen möglicherweise nicht. Um Schwierigkeiten mit dem Sicherheitspersonal am Flughafen aus dem Weg zu gehen, ist es sinnvoll, sich diese Implantate vom Arzt bescheinigen zu lassen. 

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 2/2013

Quelle: Krebsinformationsdienst

Reiseimpfungen für Krebspatienten?

Nachgefragt bei Dr. med. Nikolaus Frühwein, Facharzt für Allgemeinmedizin, Tropenmedizin, Betriebsmedizin in München

Herr Dr. Frühwein, früher galt die Empfehlung, Krebspatienten zwei Jahre lang nach der Therapie nicht zu impfen. Warum hat hier ein Umdenken stattgefunden?

Frühwein: Es gibt keinen Grund, Tumorpatienten nicht zu impfen. Im Gegenteil: Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen mit Krebs aufgrund ihrer Erkrankung und der abgeschlossenen Therapie noch ein geschwächtes Immunsystem haben, sind sie von Krankheiten eher mehr bedroht als der Durchschnitt. Hier bedeutet eine Impfung also Schutz.

Welche Impfungen sind warum wichtig?

Immuntherapien, die bei bestimmten Krebsarten wie zum -Beispiel Leukämien zum Einsatz kommen, können bestehende Impfungen im Immungedächtnis auslöschen. Hier ist wieder eine neue Grundimmunisierung notwendig. Bei einer Funktionsunfähigkeit der Milz sind die Impfungen gegen gekapselte Erreger besonders wichtig. Das sind Haemophilus influenzae Typ b, Meningokokken und Pneumokokken. Auch die saisonale Grippeimpfung ist unverzichtbar. Sämtliche Standardimpfungen sind entsprechend der Empfehlung der Ständigen Impfkommision Stiko aufzufrischen. Am besten ist es, noch vor einer Therapie zu impfen, spätestens aber kurz danach.

Gibt es Gründe, die gegen eine Impfung bei Krebspatienten sprechen?

Während einer immunsuppressiven Therapie dürfen keine Lebendimpfungen gegeben werden, wie das bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln oder gegen Gelbfieber der Fall ist.

Welche weiteren Möglichkeiten empfehlen Sie, um Infektionskrankheiten vorzubeugen?

Wichtig ist die allgemeine Hygiene: Häufiges Händewaschen mit Seife schützt. Leichtes körperliches Training fördert das Immunsystem. Vitaminreiche, gesunde Ernährung ist sicher hilfreich. Menschenansammlung und Stress zu meiden, ist in der heutigen Zeit dagegen kaum praktikabel.

Interview: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 2/2013

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