Welche Leitlinie gibt es für die richtige Behandlung von Brustkrebs?

Auch wenn jede Krebstherapie individuell ist und stets die jeweilige Situation berücksichtigt werden muss, gibt es doch Leitlinien, an denen sich Ärzte orientieren können. Sie gewährleisten eine Behandlung in hoher Qualität nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

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Im Jahr 2008 hat die Deutsche Krebsgesellschaft zusammen mit der Deutschen Krebshilfe und dem Zusammenschluss sämtlicher medizinischer Fachgesellschaften das "Leitlinienprogramm Onkologie" ins Leben gerufen. Das Anliegen dahinter ist, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, die gerade im Bereich der Onkologie rasant voranschreitet, rasch in die Versorgung zu integrieren und den Betroffenen Zugang zu den neuesten Errungenschaften zu gewähren. Außerdem sollen die Ärzte in dem oft kaum mehr zu durchschauenden Dickicht an Behandlungsoptionen eine Orientierung bekommen, welche Behandlung für welchen Erkrankten die besten Aussichten verspricht.

Jede Aussage kritisch unter die Lupe genommen

Sämtliche Empfehlungen, die in einer Leitlinie ausgesprochen werden, sind evidenzbasiert. Das bedeutet, die Angaben wurden in Studien untersucht und für mehr oder weniger gut befunden. Je nach Nutzen bekommen sie ein bestimmtes Level an Evidenz (lat. evidentia: "Ersichtlichkeit", "Klarheit") zugeschrieben. Danach richtet sich der jeweilige Empfehlungsgrad der Maßnahme.

Ein Beispiel: In der aktuellen Leitlinie zu Brustkrebs hat die Empfehlung, einen noch nicht weiter fortgeschrittenen Tumor zu operieren, den Evidenzgrad 1a erhalten. Damit hat sie die strengen wissenschaftliche Bewährungsproben allesamt mit Bravour bestanden und erhält entsprechend einen Empfehlungsgrad A, was einer starken Empfehlung entspricht und dem Arzt vermittelt, dass er in diesen Fällen operieren soll – wohl gemerkt: nicht muss. Es ist und bleibt eine Einzelfallentscheidung, bei der immer auch der Betroffene selbst ein Wort mitzureden hat.

Neben den einzelnen Empfehlungen werden auch die Leitlinien selbst entsprechend ihrer methodischen Qualität klassifiziert. Die höchste Qualitätsstufe haben S3-Leitlinie, zu denen auch die aktuelle Brustkrebs-Leitlinie gehört.

Alle paar Jahre aktualisiert

Zur wissenschaftlichen Qualität gehören natürlich auch regelmäßige Aktualisierungen. An großen Kliniken und Zentren laufen ständig Studien zur Diagnostik und Behandlung; laufend werden neue Wirkstoffe entwickelt; hinzu kommen aktuelle Fragen zur Versorgung, die früher eher eine geringe Rolle gespielt haben (Stichwort Palliativ- und Komplementärmedizin). All diese neuen Erkenntnisse fließen regelmäßig in die Empfehlungen ein.

Übrigens sind die Leitlinien nicht nur an Ärzte und medizinisches Fachpersonal adressiert, sondern sollen auch Betroffenen und jedem interessierten Laien offenstehen. Es gibt auch jeweils Kurzversionen, die einen breiteren Überblick verschaffen. Die Empfehlungen sind frei zugänglich und können bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) abgerufen werden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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