Was bedeutet "blood biopsy" bei der Diagnostik von Krebs?

Am 04. Februar 2018 war Weltkrebstag. Ich habe in diesem Zusammenhang in einer Zeitung von dem Verfahren "blood biopsy" gehört. Damit soll man Krebs schon ganz früh erkennen können. Ist da was dran?

Neben Bemühungen, für Prävention zu sensibilisieren und da besonders die Bewegung als vorbeugende Maßnahme gegen Krebs in den Vordergrund zu stellen, gab es anlässlich des Weltkrebstages 2018 Meldungen in den Medien über einen ganz frühen Krebstest aus dem Blut, die sogenannte "blood biopsy" oder auch "liquid biopsy". Übersetzen kann man diese Begriffe mit "Blut-Biopsie" und "Flüssige Biopsie".

Biopsie bedeutet die Entnahme von Gewebe, um es anschließend unter dem Mikroskop genau zu analysieren und zu beurteilen, was für eine Veränderung bzw. Erkrankung vorliegt. Normalerweise wird dabei "festes" Gewebe entnommen, wie z.B. ein kleines Stück eines Tumors. Vielleicht kennen Sie das Verfahren auch von der Schilddrüse. Auch hier können Proben von verdächtigen Knoten entnommen werden.

Krebsdiagnostik aus dem Blut?

Bei der "blood biopsy" ist das Gewebe, das untersucht wird, schlicht Blut, das über eine einfache Blutentnahme gewonnen wird. Die im Blut zirkulierenden Krebszellen oder die Erbmasse von Krebszellen können dann nachgewiesen werden. Daran werden naturgemäß große Hoffnungen geknüpft. Ob diese sich erfüllen, steht derzeit noch in den Sternen.

Zwei mögliche Einsatzstrategien sind denkbar:

Die eine ist, eine bestehende und möglicherweise behandelte Krebserkrankung zu überwachen. Das bedeutet, dass im Blut untersucht wird, ob es Hinweise auf eine Zunahme oder ein Wiederauftreten der Tumorzellen oder der Tumor-Erbmasse gibt.

Auch die Überwachung, ob eine Therapie erfolgreich ist, kann die "flüssige Biopsie" leisten. Für eine Therapie sind fast immer auch die Eigenschaften des Tumors wichtig. Möglicherweise sind diese Eigenschaften bereits aus den Zellen im Blut abzulesen, sodass auf eine echte Gewebeentnahme mit Skalpell oder Biopsie-Nadel verzichtet werden kann.

Die andere ist, den Test quasi als Früherkennung einzusetzen. Da die Entwicklung und der Einsatz der "liquid biopsy" aber noch diverse Probleme aufweisen, schafft ein positiver Biopsie-Befund möglicherweise große Verwirrung und Probleme. Gerade dann, wenn im Blut etwas gefunden wird, aber mit den zur Verfügung stehenden diagnostischen Methoden kein Tumor zu finden ist. Die psychische Belastung für den Betroffenen ist dann enorm, obwohl der Test möglicherweise falsch positiv ist, also positiv ausfällt, obwohl er es eigentlich nicht ist.

Große Probleme bei der Testentwicklung

Die Entwicklung dieser Tests steht noch am Anfang, verschiedene Problemfelder sind noch zu bearbeiten.

Krebszellen unterscheiden sich von den Zellen des "normalen" Gewebes. Diese Unterschiede bestehen nicht nur zwischen verschiedenen Tumoren (z.B. zwischen Brustkrebs und Darmkrebs), sondern manchmal innerhalb derselben Krebsart. Deshalb muss der Bluttest möglichst alle verschiedenen Zellen erkennen, er muss also sehr universell sein.

Dabei darf er aber nicht so empfindlich sein, dass er dauernd falschen Alarm auslöst. Zusätzlich muss er aber auch wiederum so sensibel sein, dass er schon ganz wenig Tumormaterial identifiziert. Für dermaßen universelle und sensible Tests ist es immer ein Problem, keinen falschen Alarm auszulösen.

Dazu kommt noch, dass der Test preiswert sein muss und seine Anwendung nicht zu kompliziert sein darf, wenn er häufig eingesetzt werden soll.

"Blood biopsy" ist noch kein Standard

Bisher sind die "liquid biopsy"-Verfahren daher im Wesentlichen noch keine Standardverfahren. Sie sollten deshalb nur innerhalb von Studien eingesetzt werden.

Autor: Dr. med. Karlheinz Keppler

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