Brustkrebs: Kann durch die Strahlentherapie ein Lymphödem entstehen?

Das ist durchaus möglich. Wenn nicht nur die Brust selbst, sondern auch die Lymphknoten bestrahlt werden, kann es zu einem Lymphödem in der Brust oder im Arm kommen.

Verstopfter Abfluss

Wenn der Krebs auch die Lymphknoten befallen hat, müssen sie mitbehandelt werden. Die Operation kann dann entsprechend ausgedehnt und/oder die anschließende Bestrahlung bis hin zur Achselhöhle erweitert werden. Hier hinein mündet der Lymphabfluss der Brust. Wenn er unterbrochen wird, kann das Gewebswasser nicht mehr ungehindert abfließen und staut sich – der betroffene Arm schwillt an, wird prall, schwer und schmerzt, was für die betroffenen Frauen sehr beeinträchtigend sein kann.

Im Gegensatz zu Hautreizungen, die unmittelbar nach der Bestrahlung auftreten können, zählt das Lymphödem zu den Spätfolgen der Behandlung, kann sich also auch erst eine ganze Weile nach der Operation bzw. Bestrahlung entwickeln.

Risiko geringer als nach der Operation

Ob es aber überhaupt dazu kommt, hängt neben individuellen Faktoren auch vom Ausmaß der Bestrahlung und der jeweiligen Strahlendosis ab. Je nach dem, wie weit sie ausgedehnt und intensiviert werden muss, steigt das Risiko an. Grundsätzlich ist es aber bei der Strahlentherapie weitaus geringer als bei der Operation. Daher wird der Bestrahlung heute auch in manchen Fällen der Vorzug gegenüber einer Operation gegeben. Während man früher schnell die gesamte Achselhöhle ausgeräumt hat, geht man heute behutsamer vor.

Der Mechanismus dahinter ist im Grunde derselbe. Während bei der Operation die Lymphknoten entnommen werden und der Abfluss damit direkt unterbrochen wird, sorgt bei der Bestrahlung eine Art Verödung für den Lymphstau. Das Ergebnis ist gleich. Daher unterscheidet sich die Behandlung auch nicht abhängig von der Ursache des Lymphödems.

So wird der Arm wieder schlank

Damit es nicht zu langfristigen Folgen und Schäden kommt, ist es wichtig, ein Lymphödem frühzeitig und umfassend zu behandeln. Daran können und sollten Sie auch selbst mitwirken.

Bei einem Lymphstau muss man dafür sorgen, dass die Lymphe wieder freie Bahn bekommt. Das gelingt mit einer sogenannten Entstauungstherapie. Dabei wird von außen nachgeholfen, dass die zähe Flüssigkeit wieder aus dem Gewebe tritt und abfließt. Das erreicht man mithilfe von Lymphdrainagen und Kompressionsbandagen. Auch Bewegungsübungen, die Ihnen der Physiotherapeut zeigen wird, helfen, der Gewebsflüssigkeit ihren Weg zu weisen.

Mehr dazu erfahren Sie hier:
Lymphödem und Lymphdrainage nach Brustkrebs-OP

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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