Bestrahlung bei Brustkrebs: Was hilft gegen den Strahlenkater?

Nach einer Bestrahlung der Brust fühlen sich viele Frauen schlapp und müde. Dieser sogenannte Strahlenkater kann unangenehm sein und die Betroffenen noch mehr niederdrücken. Aber lassen Sie sich davon nicht unterkriegen!

Der Strahlenkater gehört zu den typischen Frühfolgen der Behandlung. Das heißt, er entwickelt sich rasch (oft schon nach einigen Stunden oder Tagen), klingt aber meist ebenso schnell wieder ab. Da Sie jedoch nicht nur einmal bestrahlt werden, sondern mehrere Termine über einige Wochen vor sich haben, kann die Müdigkeit immer wieder zuschlagen.

Müdigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit

Die etwas verniedlichende Bezeichnung "Strahlenkater" rührt daher, dass mit der Mattigkeit oft auch Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl einhergehen. Manche Frauen bekommen zudem Durchfall, haben Übelkeit und wenig Appetit. Das alles sind akute Reaktionen des Körpers auf die ungewohnte Belastung. Zwar wirkt die Bestrahlung insgesamt sehr zielgerichtet und wird im Allgemeinen daher auch besser vertragen als etwa eine Chemotherapie; dennoch bleibt der übrige Körper nicht gänzlich verschont von der Wirkung.

Nicht zu verwechseln ist der vorübergehende Strahlenkater mit der sogenannten Fatigue, einer anhaltenden Müdigkeit und Erschöpfung, die viele Krebserkrankte plagt. Sie geht auf die Erkrankung selbst zurück, ist oft aber auch eine Spätfolge der Behandlung, die sich lange und hartnäckig halten kann. Im Grunde hilft hier aber das gleiche wie beim Strahlenkater auch.

Jetzt erst recht: Bewegung hilft

Was also ist zu tun? Auch wenn es wie eine Binsenweisheit klingen mag: Studien belegen immer wieder den Stellenwert von körperlicher Aktivität, gerade auch, wenn man krank ist und sogar während der anstrengenden Zeit der Behandlung.

Natürlich ist Ihr Körper durch die Erkrankung selbst und die Behandlung obendrein belastet. Der gut gemeinte Rat von außen, dass Sie sich daher schonen sollen, ist aber genau kontraproduktiv. Es ist jetzt ganz im Gegenteil umso wichtiger, dass Sie sich und Ihren Körper stark und fit halten. Und genau das gelingt mit Bewegung und Sport.

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Körperliche Aktivität wühlt den Körper ordentlich auf und bringt den Stoffwechsel in Gang. Die Muskeln kommen auf Vordermann, die Verdauung wird angeregt und die Durchblutung steigt, was sämtlichen Geweben und Organen einschließlich dem Gehirn zugute kommt.

Apropos Gehirn: Hier werden außerdem vermehrt Botenstoffe freigesetzt, die uns aufmuntern und die Stimmung heben – ein günstiger Nebeneffekt, da Krebs nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr belastend ist.

Sie haben es selbst in der Hand

Und noch ein paar andere Vorteile bringt regelmäßige Bewegung mit sich. Wenn Sie etwa laufen gehen oder Rad fahren, kommen Sie dabei an die frische Luft. Das belebt und sorgt für Ablenkung. Suchen Sie sich schöne Strecken im Grünen, wo es viel zu erkunden gibt.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Pluspunkt von Sport ist schließlich, dass Sie es damit aktiv mit Ihrer Erkrankung aufnehmen. Wenn Sie sich regelmäßig motivieren und den inneren Schweinehund überwinden, wird Ihnen das angenehme Gefühl vermittelt werden, eigeninitiativ etwas gegen den Krebs zu unternehmen und sich ihm nicht machtlos auszuliefern. Das müssen Sie sich übrigens nicht einreden. Vieles deutet darauf hin, dass der Krankheitsprozess durch körperliche Fitness tatsächlich positiv beeinflusst und die Genesung vorangetrieben wird.

Alles in Maßen

Natürlich sollten Sie es nicht übertreiben. Es geht nicht darum, auf einen Marathon zu trainieren. Training heißt auch nicht, wie oft irrtümlicherweise angenommen, möglichst große Anstrengung und Schinderei. Wichtig ist vielmehr der Wechsel von Belastung und Erholung, um den Körper nach und nach fit zu machen. Regelmäßig, am besten täglich eine halbe Stunde leichte Bewegung, bei der Sie nicht allzu sehr aus der Puste kommen, reicht anfangs völlig aus. Sie werden merken, dass Sie nach einer Weile immer mehr schaffen.

Um sich zu erholen, braucht der Körper außerdem genügend Schlaf. Hier hapert es bei vielen Betroffenen. Sport kann dabei ebenfalls sehr hilfreich sein. Bewegung macht angenehm müde und fördert einen erholsamen Nachtschlaf.

Was Ihrem Körper noch guttut

Auch der nächste Rat ist altbekannt und wird Ihnen bestimmt schon einmal begegnet sein: eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Was Sie jetzt vor allem brauchen, sind viele Vitamine und Eiweiß. Allzu schwer und fettreich sollte Ihr Speiseplan dagegen nicht sein. Milchprodukte, frisches Obst und Gemüse, mageres Fleisch und Fisch sind optimal.

Manche Frauen nehmen unter der Belastung durch die Erkrankung und die Behandlung allerdings stark ab. Dann ist es wichtig, die Energiezufuhr entsprechend anzupassen. Bedenken Sie, dass Sie auch mehr Kalorien brauchen, wenn Sie zusätzlich Sport treiben.

Ihr Arzt gibt den Takt vor

Vor allem wenn Sie körperlich noch untrainiert sind, sollten Sie Ihren Trainingsplan mit Ihrem Arzt besprechen, bevor Sie loslegen. Vielleicht ist auch eine sportmedizinische Untersuchung sinnvoll, um Ihre aktuelle Leistungsfähigkeit zu testen und Sie nicht zu überfordern. Außerdem wird der Arzt während der Behandlung regelmäßig Ihre Blutwerte überprüfen. Verändern sie sich, müssen Sie sich unter Umständen etwas zurücknehmen.

Und noch ein letzter Tipp: Wenn Sie beim Sport stark schwitzen, achten Sie darauf, dass die Markierung, die der Strahlentherapeut womöglich auf das Strahlenfeld an Ihrer Brust aufgezeichnet hat, nicht verwischt. Mit einem abdeckenden Pflaster oder einem wasserfesten Stift kann nichts passieren.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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