Brustkrebs: Schädigt die Strahlentherapie Herz und Lunge?

Bei der Bestrahlung von Brustkrebs liegen Herz und Lunge in unmittelbarer Nachbarschaft des Strahlenfeldes. So stellt sich natürlich die Frage, ob die beiden Organe dadurch nicht Schaden nehmen können.

Grundsätzlich ja. Die Strahlentherapie zielt darauf ab, verbliebene Tumorzellen endgültig auszumerzen. Dass davon auch gesunde Körperzellen betroffen sein können, lässt sich auch bei aller Vorsicht und den technischen Möglichkeiten, die es heute gibt, nicht ganz vermeiden.

Mögliche Spätfolgen

Während Schäden an der Haut wie Reizungen und Rötungen oft unmittelbar nach einer Bestrahlung auftreten, sind die Folgen an inneren Organen in der Regel erst später zu beobachten.

Die Lunge etwa kann anfälliger für Entzündungen werden, auch ohne dass bestimmte Keime ihre Hand im Spiel haben. Wenn Anteile der Lunge vernarben, kann es sein, dass die Lungenfunktion eingeschränkt wird, dass Sie also nicht mehr voll durchatmen können und schneller aus der Puste geraten.

Am Herzen kann sich der umgebende Herzbeutel entzünden. Aber auch der Herzmuskel selbst, die Klappen, die versorgenden Gefäße und die elektrische Reizweiterleitung können beeinträchtigt werden.

Risiko für einen weiteren Tumor

Nicht zuletzt sind Zweittumoren zu nennen, die sich infolge der Bestrahlung bilden können. Denn die Strahlen haben ja genau die Aufgabe, Zellen gezielt zu schädigen. Auch wenn man die einzelnen Mechanismen bei der Bildung von Krebs noch nicht genau kennt, geht man davon aus, dass genau eine solche Schädigung und fehlerhafte Neuprogrammierung von Zellen ein wesentlicher Faktor ist.

Gesunde Körperzellen können sich von der Bestrahlung zum Glück besser erholen als die anvisierten Krebszellen. Ganz entgehen können sie der Belastung aber nicht. Die Lunge und vor allem das Herz sind allerdings recht stabile Kandidaten. Im Gegensatz zu anderen Geweben sind sie nicht sehr strahlenempfindlich, weil sich ihre Zellen recht langsam teilen.

Hinzu kommen moderne Geräte, eine ausgefeilte Technik und eine ganze Mannschaft aus Ärzten, Physikern und diversen Assistenten, die genau berechnen, welche Dosis in welchem Winkel auf welches Areal gezielt wird. So wird inzwischen sehr präzise fast nur der beabsichtigte Bereich erwischt.

Strahlentherapie ist besser als ihr Ruf

Das alles macht die Strahlentherapie unter den Verfahren, die nach der Operation in Frage kommen, zum schonendsten und verträglichsten. Das Risiko für eine Entzündung der Lunge beispielsweise liegt unter 1%. Im Gegensatz zu älteren Studien zeigten neuere Erhebungen, die seit Einführung der modernen Geräte und Techniken erfolgten, außerdem kein erhöhtes Risiko mehr, an einer strahlenbedingten Schädigung des Herzens früher zu sterben. Zweittumore entwickeln sich innerhalb von 20 Jahren zwar durchschnittlich in etwa 1%; dabei geht jedoch wahrscheinlich nur ein Bruchteil auf das Konto der Strahlentherapie.

Eine bestimmte Gruppe betroffener Frauen hat allerdings tatsächlich ein erhöhtes Risiko für einen weiteren Krebs, und zwar an der Lunge: Raucherinnen. Bei ihnen setzt die Strahlentherapie der Lunge zusätzlich zu. Die gute Nachricht: Wer vor der Behandlung damit aufhört, kann das Risiko wiederum deutlich reduzieren.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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