Brustkrebs: Was ist eine Boost-Bestrahlung?

Nach einer brusterhaltenden Operation wird das Tumorbett in der Regel in mehreren Sitzungen bestrahlt. Bei manchen Frauen wird die übliche Bestrahlung um eine zusätzliche höhere Dosis, den sogenannten Boost, ergänzt.

Vor allem für jüngere Frauen

Die Absicht dahinter ist die, es dem Tumor noch schwerer zu machen, erneut auszubrechen. Eine Strahlentherapie senkt das Risiko eines Rezidivs (Wiederauftreten des Krebses) meist deutlich. Mit der Boost-Bestrahlung werden die Aussichten noch besser, zumindest für manche Frauen.

Empfohlen wird die Extraportion vor allem bei jüngeren Betroffenen (≤ 50 Jahre), die noch vor der Menopause stehen. Bei älteren Damen erfolgt eine Boost-Bestrahlung nur, wenn das Rückfallrisiko sehr hoch ist. Das kann etwa bei besonders aggressiven oder großen Tumoren der Fall sein.

Jüngere Frauen profitieren nicht nur stärker von der Behandlung, sie vertragen sie auch besser. Mögliche Spätfolgen wie eine Fibrose (Verhärtung des Gewebes) treten bei ihnen seltener auf.

Unterschiedliche Strategien

Bei der Boost-Bestrahlung gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man vorgeht. Oft schließt sich die Behandlung an die gewöhnliche Strahlentherapie an. Dann spricht man auch von einem sogenannten sequentiellen Boost. Üblich sind dafür etwa 5 bis 8 weitere Sitzungen.

Für viele Frauen ist das nicht gerade angenehm, weil sich die Dauer der Behandlung dadurch nochmal um ca. zwei Wochen verlängert. Alternativ kann die zusätzliche Dosis auch einmalig bereits während der Operation verabreicht werden. Das hat neben dem geringeren zeitlichen Aufwand den Vorteil, dass der betroffene Bereich ganz gezielt und direkt erreicht wird, ohne die Haut dabei zu tangieren. Die Bestrahlung von außen schließt sich danach wie üblich nach erfolgter Wundheilung an die Operation an.

Der Erfolg scheint nach bisherigen Erfahrungen bei beiden Verfahren gleich zu sein.

Elegante Kombination

Neuerdings besteht noch eine dritte Variante, der "simultan-integrierte Boost" (SIB). Er wird einfach direkt an die einzelnen Sitzungen der primären Bestrahlung angeschlossen. Zusätzliche Termine erübrigen sich dadurch für Sie. Für eine SIB sind allerdings spezielle Geräte mit modernen Planungsprogrammen nötig, über die nicht jede Klinik bzw. Praxis verfügt. Rund um das Verfahren wird außerdem weiterhin viel geforscht, so dass eine abschließende Bewertung noch aussteht.

Damit Sie eine Vorstellung davon haben, wie stark die zusätzliche Dosisaufsättigung durch den Boost ist, hier noch folgendes für Zahlenfreunde: Bei der üblichen Strahlentherapie werden über alle Sitzungen verteilt insgesamt 40-50 Gy (Gray, die Maßeinheit für die Strahlendosis) verabreicht. Der Boost umfasst weitere 10-16 Gray, also nochmal etwa ein Viertel der ursprünglichen Dosis.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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